Freitag, 5. Mai 2023

Rundschreiben des ELKK zum "Reibeisen" Nr. 40 und Nr. 41

Liebe Mitglieder!

Das Reibeisen Nr. 40 ist erschienen! Die öffentlichen Präsentationen im Spiel!Raum Kapfenberg und in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur im Wiener Palais Wilczek gingen planmäßig über die Bühne. Die Veranstaltung in Wien kann man noch im Internet ansehen.
Jetzt beginnt der Versand der Autoren- und Mitgliederexemplare an diejenigen, die bei den Präsentationen nicht dabei waren. Speziell die Mitglieder aus dem Raum Kapfenberg bitte ich, diese persönlich abzuholen (bei einem unserer nächsten "routinemäßigen" Treffen, oder ihr meldet euch kurz bei mir und wir vereinbaren einen Übergabetermin).


Noch gab es keinen offiziellen Redaktionsschluss für Texteinreichungen zur Erotik-Anthologie. Inzwischen steht das konkrete Datum fest. Es ist der 6. 6. 2023!
Wer also seine/ihre Frühlingsgefühle literarisch festhalten möchte - einen Monat lang besteht noch die Gelegenheit, Teil der Anthologie zu werden.

Dass der Büchermarkt blüht und gedeiht, sieht man aktuell u. a. an der Leipziger Buchmesse. Auch von unseren Mitgliedern gibt es immer wieder Neuerscheinungen zu vermelden. Hier einige Beispiele: Julia Fürbaß blieb mit "VIER - Erzählungen" ihrem Thriller-Genre treu. Von Michel Tapión erschien der Prosaband "Kurzgeschichten". Ruth Forschbach ist mit vier Gedichten in der Anthologie "365 Tage Liebe" (Hrsg. Rüdiger Heins) vertreten.

Für das "Reibeisen" Nr. 41/2024 ist längst ein Text-Sammelordner angelegt. Es sind bereits mehrere Lyrik- und Prosabeiträge darin abgelegt. Auch wenn der Redaktionsschluss ab heuer auf den 31. Juli verlegt wurde, können natürlich schon jetzt Texte eingereicht werden. Ich lade euch dazu ein!

Herzliche Grüße,
Sepp Graßmugg

"Kurzgeschichten" von Michel Tapion - Buchrezension von Hans Bäck

Verlag Buchschmiede
ISBN 978-3-99139-983-4

Dr. MARTIN GOLLWITZ Gymnasialprofessor in der deutschen Provinz hat ein Theaterstück über ein Thema der Klassik geschrieben: Die Geschichten rund um den historischen Raub der Sabinerinnen. Der Direktor einer Wanderbühne bemüht sich das Stück aufzuführen. Wer das Stück nicht kennt, derzeit wird es in Wien im Akademietheater aufgeführt.
Der Herr Professor hatte ein Stück geschrieben, er fühlte sich berufen, der deutschen Literatur ein weiteres klassisches Schwergewicht hinzufügen.
Nur das überragende Improvisationstalent des Direktors der „Schmierenbühne“ rettet das Stück, das Theater und letztlich auch den Autor.
Warum beginne ich eine Rezension mit einem Hinweis auf ein Theaterstück aus dem Jahre 1883?
Weil: es wiederholt sich alles! Oder: Alles schon da gewesen!
Ein Autor unserer Tage schreibt „mit seinem Herzblut“ (auch das kommt im Raub der Sabinerinnen vor!) einen umfangreichen Roman. Denn: darunter tut man es nicht, darunter, das ist ja womöglich keine Literatur! Also kommt nach vielen Geburtswehen das große Werk endlich auf die Welt. Doch diese hat gerade auch auf diesen Roman nicht gewartet. Enttäuschung beim Autor?
Jedenfalls, er setzt sich hin und schreibt ein schmales Bändchen und nennt es „Kurzgeschichten“. Da ist nix mehr vom Herzblut drinnen, da werden keine weltbewegenden Probleme und Schicksale aufgeblättert. Da zeigt der Autor, was er kann!
Ein wenig wie der Dr. Gollwitz in dem Stück von Schönthan, der ein klassisches Drama schaffen wollte und eine köstliche Komödie dabei herauskam.
Fazit: Es muss nicht das große literarische Werk sein, mit dem das Publikum auf einen Autor aufmerksam wird. Es genügt eine Sammlung von 15 Kurz- und Kürzestgeschichten um das Können und die Begabung eines Autors zu erkennen. Vielleicht sind diese Kurzgeschichten jener Erfolg, den der Autor (und nicht nur er) mit seiner Veröffentlichung erhoffte.
Lieber Michel Tapion! Bleib bei dieser kleinen Form, das kannst Du, da hast Du Stärken, die ich Dir nach der verunglückten Anna-Sophie gar nicht mehr zugetraut hatte.
Lass die Finger von den „großen Werken“, mach das was du kannst.
Und Kurzgeschichten schreiben, das kannst Du!

In aller Freundschaft

Hans Bäck

Montag, 24. April 2023

Lesung in der Heinrich von der Haar Literaturstiftung, Berlin


"...abdriften"

mit Ute Mings, Peter Wawerzinek, Tobias Radloff, Ina Dentler und Heinrich von der Haar
mit musikalischer Begleitung:
Harald Mahl (Saxofon), Erich Abshagen (Kontrabass)

Termin: 06.04.2023
Beginn: 19:00 Uhr; Einlass ab 18:30 Uhr
Ort: Zikadenweg 24, 14055 Berlin

Eintritt frei, Spende erwünscht
Anmeldung erbeten unter: 0176 444 39953

Samstag, 15. April 2023


Wiener Beisl-Literatur

mit Peter Campa, Ludwig Roman Fleischer und Richard Weihs
Letzterer wird auf seinen Instrumenten (Knöpferlharmonika, Gitarre und Maultrommel) zwischen den Lesungen wienerische Eigenkompositionen vortragen.

134 www.derbrandstetter.at Termin: 20.04.2023
Beginn: 19:30 Uhr
Ort: im Brandstetter; 17.,Hernalser Hauptstraße 134

Elias Canetti schau her!

Nein, in diesem Leben werde ich es nicht mehr schaffen: Elias Canetti postulierte in seinem großartigen, vielschichtigen und verstörenden Roman „Die Blendung“ dass eine Bibliothek mindestens 20 000 Bände umfassen müsse, um diese Bezeichnung zu verdienen. Alles was darunter sei, wäre bestenfalls eine Bücherei, eine Büchersammlung. Na gut, also, ich gebe mich geschlagen und akzeptiere, dass ich die Forderung des Herrn Canetti nicht mehr erreichen werde. Auf immerhin ein gutes Viertel komme ich schon. Das ist für einen Privatmenschen, der ja nur ein „unprofessioneller“ Leser, Büchernarr ist, auch nicht so schlecht. Hinzu kommt noch die Unzahl jener Bücher, die ich wohl gelesen, aber leider nicht in meiner Sammlung habe. Einerseits wurden sie mir von Freunden geborgt (und ich habe pflichtbewußt immer zurück gegeben), anderseits kann ich jene Werke, die ich aus den div. Büchereien ausborgte nicht einmal abschätzen. Dann kommt noch etwas dazu, das einen gewissen Aderlass in meiner Bibliothek verursachte: Ich hatte berufsbedingt eine stattliche Anzahl Fachbücher gekauft, und es kam der heiß ersehnte Tag, an dem ich die Werke über Marketing, Kapitalflussrechnungen, Betriebs- und Volkswirtschaft nicht mehr benötigte. Junge aufstrebende Kollegen wurden von mir mit reichlichen Bücherspenden „beglückt“. Da gab ich mehrere Dutzend Bücher, überwiegend gewichtige Werke mit vielen Seiten, Tabellen, Hinweisen und Verweisen, weiter. Doch, auch damit hätte ich die geforderte Zahl von 20 000 nicht erreicht.

Ich kann auch nicht auf eine Sammlung von E-Books hinweisen. Auch wenn einige der von mir verfassten Bücher auch in diese Form erschienen sind, ich habe mich niemals auf das Sammeln elektronischer (oder digitaler) Bücher eingelassen. Es ist altmodisch, ich weiß, aber an einer meiner Bücherwände entlang gehen, mit den Fingern über die Buchrücken streichen, das gibt ein ganz besonderes Gefühl. Oder ein Buch herausziehen, zuerst einmal den Staub abblasen, der sich angesammelt hatte. Denn, das gebe ich schon zu, jeden Tag nehme ich nicht jedes Buch zur Hand. Obwohl meine Tochter erst kürzlich wieder feststellte: „Papa, du und deine Bücher, das ist ein Wahnsinn! Und ich weiß, dass du wirklich jedes einzelne gelesen hast!“ Und wenn sie bei mir in der Wohnung Ordnung macht, dann ist vorrangig festzulegen, wo das nicht geschehen darf. Da liegen z. B. am Wohnzimmertisch heute nur 8 Bücher, es kann schon vorkommen, dass 15 und mehr Bücher liegen, im Gebrauch sind. Es gibt diverse Ablagestellen, wo ich schnell ein Buch deponieren kann, bis ich dazu komme es einzuordnen.

Das ist so ein Problem: Ich begann einmal die Bücher zu ordnen, schön nach Sachgebieten, innerhalb dieser nach Autorennamen. Ganz gut geplant. Und sorgfältig im PC erfasst, richtig katalogisiert. In der Datei ist jederzeit einsehbar, in welchem Bereich, welches Buch eines Autors zu finden wäre. Theoretisch! Denn das würde bedeuten immer wieder den ursprünglichen Platz zu finden. Inzwischen sind aber neue Bücher dazu gekommen. Daher ist im Bereich der Belletristik bei den Buchstaben K, L; M kein Platz mehr um einen neuen Autor einzuordnen. In die zweite Reihe will ich kein Buch stecken, denn warum sollte es da hinten ein unentdecktes Dasein fristen? Das hat weder der Autor noch das Buch verdient. Ein neues Buch wird daher nach Maßgabe des vorhandenen Platzes auf die bereits vorhandenen oben drauf gelegt. Das geht auch nur befristet, denn irgendwann ist der Zwischenraum voll. Also ein neues Ausweichquartier für Bücher suchen. Inzwischen sind die Küche und das Bad/WC die einzigen Räume wo keine Bücher aufbewahrt sind. Das ehemalige Kinderzimmer, spätere Büro ist ein perfekter Platz für Bücher geworden. Da habe ich all jene griffbereit, die ich momentan z. B. als Quelle für Texte benötige.

Ich habe mich, so finde ich es, mit Canetti und seiner Vorstellung, ganz gut arrangiert. Und wenn ich wieder ein neues Buch entdecke, dass ich unbedingt haben muss, ein Platzerl findet sich immer. Nur das elektronische Bücherverzeichnis, das habe ich noch nicht aktualisiert. Vorgenommen schon öfter, aber da war es immer wichtiger, die neu dazugekommenen Bücher zu lesen!

Ich hoffe auf noch viele zu entdeckende gute Bücher!


Euer Hans Bäck

Sonntag, 26. März 2023

Veranstatlungshinweise des ELKK für April 2023









Offener Leseabend

Mitglieder des Europa-Literaturkreises Kapfenberg lesen neue Texte. Anschließend besteht die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre darüber zu diskutieren. Auch die Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltung sind eingeladen, eigene Texte mitzubringen, zu lesen und gemeinsam zu besprechen.

Termin: Donnerstag, 6. April 2023
Beginn: 19:00 Uhr
Ort: KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2.Stock

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REIBEISEN - Präsentation

Präsentation der 40. Ausgabe des Kapfenberger Kulturmagazins. Anwesende Autorinnen und Autoren lesen Texte aus dem neuen REIBEISEN. Im Künstlerporträt wird diesmal Karl-Heinz Ropin vorgestellt. Einige seiner Bilder werden bei der Reibeisen-Präsentation ausgestellt. Die musikalische Gestaltung des Abends übernimmt die "Klarinettenmusik Trafella".



Termin: Donnerstag, 20. April 2023
Beginn: 19:00 Uhr
Ort: Spiel!Raum, Friedrich Böhler Straße 9

Eintritt frei!

Sonntag, 26. Februar 2023

Veranstaltungshinweise des ELKK für März 2023









Offener Leseabend

Mitglieder des Europa-Literaturkreises Kapfenberg lesen neue Texte. Anschließend besteht die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre darüber zu diskutieren. Auch die Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltung sind eingeladen, eigene Texte mitzubringen, zu lesen und gemeinsam zu besprechen.

Termin: Donnerstag, 2. März 2023
Beginn: 19:00 Uhr
Ort: KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2.Stock

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Literaturcafé
Gespräche über literarische Gedenktage, Vorstellung neuer Bücher, u. v. m. Diesmal besprechen wir u. a. Leben und Werk von Egon Erwin Kisch (75. Todestag) und Walter Jens (100. Geburtstag). Natürlich besteht auch für Gäste die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher und Lieblingsautoren vorzustellen. Termin: Donnerstag, 16. März 2023
Beginn: 19:00 Uhr
Ort: KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2. Stock

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Österreichischer Vorlesetag
Mitglieder des "Europa-Literaturkreis Kapfenberg" lesen Gedichte und Kurzgeschichten zu den verschiedensten Themen. Viele davon haben sie selbst geschrieben. Andere stammen aus bekannten Büchern.

Termin: Donnerstag, 23. März 2023 Beginn: 16:00 Uhr Ort: KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2. Stock


Für Rückfragen: Sepp Graßmugg 0664/4238514 josef.grassmugg@aon.at

Dienstag, 10. Januar 2023

Veranstaltungshinweise des ELKK für Februar 2023








Offener Leseabend

Mitglieder des Europa-Literaturkreises Kapfenberg lesen neue Texte. Anschließend besteht die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre darüber zu diskutieren. Auch die Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltung sind eingeladen, eigene Texte mitzubringen, zu lesen und gemeinsam zu besprechen.

Termin: Donnerstag, 2. Feb. 2023
Beginn: 19:00 Uhr
Ort:       KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2.Stock

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Literaturcafé

Gespräche über literarische Gedenktage, Vorstellung neuer Bücher, u. v. m. Diesmal besprechen wir u. a. Leben und Werk von Karl Valentin (75. Todestag) und Bertolt Brecht (125. Geburtstag). Natürlich besteht auch für Gäste die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher und Lieblingsautoren vorzustellen.

Termin: Donnerstag, 9. Feb. 2023
Beginn: 19:00 Uhr
Ort:      KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2. Stock

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Haiku – Abend

Ein "Arbeitsabend" für Freunde japanischer Lyrik- und Kurzprosaformen. Auch das Publikum ist eingeladen, Texte mitzubringen, zu lesen, darüber zu diskutieren, zu philosophieren . . .

Termin: Donnerstag, 23. Feb. 2023
Beginn: 19:00 Uhr
Ort:      KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2. Stock



Für Rückfragen:  Sepp Graßmugg  0664/4238514  josef.grassmugg@aon.at

Sonntag, 1. Januar 2023

Die Silvester-Fahrt auf der "Aurora"

von Manfred Kolb - 01.01.2020

Der Silvestertag 2019 begann verhältnismäßig ruhig. Kaum Knallerei und Böllerkrachen rund um den Hafen. Ich blickte vom Balkon aus in die Hafenbecken, wo mehrere Drehkräne in Betrieb waren. Es erstaunte mich, dass am Silvestertag noch vier Schiffe den Hafen angelaufen hatten, um ihre Ladung löschen zu lassen und neue aufzunehmen.

Ich beobachtete gerade die Anlegemanöver eines der Frachtschiffe, als mich das Telefon in die Wirklichkeit zurück rief. Ein guter Bekannter lud mich ein, am Silvesterabend als Gast auf seiner Motorjacht "Aurora" das mitternächtliche Feuerwerksspektakel und den Jahresbeginn 2020 von See aus zu erleben.

Ich sagte gleich zu und so fand ich mich am Silvesterabend um 23 Uhr mit Proviant und zwei Flaschen Champagner am hell erleuchteten Kai am Alten Hafen ein, um in See zu stechen.

Mit mir gingen der Besitzer und drei weitere Gäste an Bord, die es sich nicht nehmen ließen, schon kurz nach dem Ablegen die Korken knallen zu lassen.

Mit flotter Fahrt ging es in der mondklaren Nacht mit dem Eigner am Ruder hinaus in die Wismarer Bucht, wo uns nur ein schwer auszumachendes Fischerboot begegnete, weil dessen Positionslichter und die Beleuchtung an Deck nur spärlich war.

Um Mitternacht erlebten wir dann mit gestoppter Maschine in Höhe der Insel Walfisch driftend ein fantastisches Feuerwerk am Hafen und über der Innenstadt von Wismar. Auch im Vorort Seebad Wendorf waren faszinierende Raketensalven aus Feuerwerksbatterien zusehen. Lichterbögen, Sterngirlanden und bunte Fächersalven, stiegen in den nächtlichen Himmel auf und erleuchteten die Szenerie.

Nach 20 Minuten erlosch das Spektakel.

Wir alle an Bord hatten mit einem Glas Champagner auf das Neue Jahr angestoßen und einander viele guten Wünsche zugesprochen, als mich der Eigner beiseite nahm und mir bedeutete, dass er mit seinen Freunden aus gemeinsamer Studienzeit weiter feiern wolle. Dazu hätten sie sich wie in den Vorjahren nach altem Seemannsbrauch verabredet. Daher wolle er mir das Steuer der Jacht übergeben. Das sei im übrigen zulässig, da er ja als Kapitän mit Patent an Bord sei.

Ich erschrak, denn ich hatte bislang nur ein Beiboot mit einem Außenborder gesteuert.

Dass ich gerade den theoretischen Teil meiner Ausbildung zum Erwerb des Motorbootführerscheins "See" abgeschlossen hatte und auf die praktische Prüfung im März 2020 wartete, wollte ich dem Eigner nicht verraten.

Als ich noch überlegte, was ich dem Eigner antworten sollte, übergab er mir nach einer kurzen Einweisung kurzerhand den Zündschlüssel, verabschiedete sich mit einer Entschuldigung für seinen alkoholisierten Zustand und begab sich unter Deck, nicht ohne mich seines Beistands zu versichern, falls das erforderlich sein sollte.

Die Stimmung im Logis wurde, wie ich hören konnte, immer ausgelassener, denn der Alkohol verfehlte seine Wirkung nicht. Die Freunde aus gemeinsamer Studienzeit an der Lomonossow-Universität in Moskau hatten wohl eine ordentliche Portion Wodka mitgebracht.

Langsam bewegte ich mich über Deck zum Kommandostand.

Der Motor sprang sofort an und ich stellte den Gashebel auf "langsame Fahrt". Bedächtig bewegte sich das Boot nach einer Wende zurück zum Alten Hafen. Nach einer Weile beschleunigte ich das Tempo. Von Minute zu Minute wurde ich mit der Steuerung des Bootes vertrauter und sicherer. Ich studierte im Dunkel die Signale und die Betonnung der Wismarer Bucht und strebte so der Wismarer Bucht zu.

Ich traute mir sogar zu, ein der Wismarer Bucht langsam zustrebendes zweites Fischerboot in einem engen Bogen zu umkreisen, das dank seiner guten Beleuchtung ohne Schwierigkeiten auszumachen war. Als ich mit dem Suchscheinwerfer eine im Wasser treibende Holzkiste entdeckte, zögerte ich keinen Augenblick, diese nach einer Wende auf der Lee-Seite der Jacht mit dem Enterhaken an Bord zu hieven. Denn in der Hafeneinfahrt treibende Gegenstände konnten für die Schifffahrt gefährlich werden.

Nach erneuter Fahrtaufnahme zurück Richtung Hafen sah ich die lang gestreckte Kaimauer auf der Steuerbordseite auf mich zu kommen.

Im Dunkeln konnte ich im matten Schein aus einem Fenster des Technik- und Forschungszentrums der Universität erkennen, dass die Kaianlage noch von Gruppen von feiernden Menschen bevölkert war, die wohl gemeinsam das Neue Jahr ausgiebig begrüßen wollten.

Mit langsamer Fahrt näherte ich mich der Anlegestelle im stumpfen Winkel, dann band ich das Steuerrad fest, um die Fender an der Steuerbordseite des Bootes auszubringen.

Nach getaner Arbeit stellte ich die Maschine auf Stopp und driftete im Schneckentempo dwars auf die Kaimauer zu, wo hilfsbereite Menschen die von mir zugeworfenen Vorder- und Achterleine geschickt auffingen und die Tauösen um die Poller legten. Ganz langsam schwoite die Jacht an die Kaimauer, während ich die Festmacherleinen Stück für Stück nachspannte, bis die Jacht fest vertäut wieder ihren angestammten Liegeplatz eingenommen hatte. Dann löschte ich die Lichter, stellte die Maschine aus und zog den Zündschlüssel ab.

Das war geschafft, ging es mir erleichtert durch den Kopf.

Der Besitzer der Jacht und die beiden Gäste kamen aus dem Logis hervor gekrochen, bedankten sich und strebten schwankend davon. Dem Eigner konnte ich gerade noch den Zündschüssel zu stecken, dann war auch er im Gewühl der Menschengruppen verschwunden.

Auch ich machte mich auf den Weg in mein Zuhause im alten Kornspeicher. Als ich am späten Morgen zuhause erwachte und meine zu Boden gefallene Windjacke aufhob, fühlte ich einen Umschlag in einer der Taschen. Ich nahm ein Papier heraus, entfaltete es und sah als erstes den Kopfbogen des Marine-Clubs "Seeteufel", wo ich meinen Lehrgang zum Erwerb des Motorbootführerscheins gebucht hatte.

Dann las ich:

"Sehr geehrter Herr Kolb,

ich bestätige Ihnen hiermit, dass sie in der Nacht von 31.12.2019 auf den 01.01.2020 auf der Motorjacht "Aurora" die praktische Prüfung zum Erwerb des Motorbootführerscheins "See" erfolgreich abgelegt haben. Sie können sich die Ausfertigung des Patents am 06.01.2020 in unserem Büro abholen.

Ich wollte Sie mit der praktischen Prüfung nicht bis zu meiner Rückkehr von einem Törn auf der „Gorch Fock II “ Anfang März 2020 warten lassen

-gezeichnet Holger Bahrow (Vorsitzender der Prüfungskommission "See")“


Es dauerte eine Weile, bis ich diese erfreuliche Nachricht verdaut hatte.

Eine Frage blieb offen: wie gelangte die Holzkiste in die Hafeneinfahrt?

War das mit dem Fischerboot abgesprochen? Denn ich musste ja im praktischen Teil ein „Mann-über-Bord Manöver fahren…

Ich konnte Holger Bahrow nicht danach fragen, denn er war am Neujahrstag schon zu seinem Törn auf der „Gorch Fock“ aufgebrochen.

Sonntag, 11. Dezember 2022

24. Advent 2022 - Heiligabend





















Traumkugeln

Das Christkind flog zum Fenster rein
und schmückte meinen Baum,
in jeder Kugel spiegelt sich
von mir ein stiller Traum
Da sind: Der Frieden in der Welt,
dass niemand hungern muss,
dass sich ein jeder rasch verträgt,
gab es einmal Verdruss;
dass niemand Wälder erdgleich macht,
die Sauerstoff uns spenden,
dass keine Tiere – sinnlos oft –
durch Menschenhand verenden,
dass Hass und Neid nicht mehr regiern,
Vergangenheit nur sind
durch Liebe, Freundlichkeit ersetzt
vom Ält’ren bis zum Kind;
dass jeder gern ein Lächeln schenkt,
das dich und mich beglückt,
dass niemand böse Worte spricht! .....

Ich weiß, es klingt verrückt!

Die Kugeln sind mit Träumen voll.
Wer weiß, ob irgendwann
der eine, and’re sich befreit,
„lebendig“ werden kann!?


Richard Mösslinger


Ich wünsche allen Mitgliedern des ELKK,
allen Lesern des Blogs, ein fröhliches und
besinnliches Weihnachtsfest!


Reinhard Mermi
(Blogredaktion)

23. Advent 2022





















Weihnocht mit Gschenkn

Ih hoff, dass net okimmt
as Schenkn und Kriagn,
Lametta und Noschzeug,
dass d´ Christbam sih biagn,
die Liader der Weihnocht
und ´s Leuchtn der Augn
waunn den Kindern die Packerl
mit Geschenkn tuat taugn,
waunn am Handy bold kemman
die Wünsch va d´ Bekaunntn,
ban Christbam beinaund stehn
die engstn Verwaundtn,
stille Nacht singt daunn jeder
holt sou guat dass as kaunn...

Nur ih sogs euch gaunz ehrlich
auf des olls kimmts net aun,
wal ih denk, dass da Herrgott
koa Freud damit hätt,
dass ma grod in sein Nauman
sou a Gschatz mochn tät,
dass ma ´s Christlindl heut
nur zur Glegnheit nimmt
und dass just nur die Soch
mit ´m Wunschzettl stimmt,
ih haun nix gegn Bescherung
und Familie mit Freud,
waunn ma nur net vagessn
wos die Weihnocht bedeut!


Maria Schneider

22. Advent 2022





















Mariä Empfängnis

Merkur, Hofer, Lidl,
alle sind davon betroffen.
Penny, Interspar und Unimarkt –
sogar die Kirchen haben offen.

Ikea, Leiner, KIKA, Lutz
können auch auf Kunden hoffen,
so wie Hornbach, OBI, Möbelix –
man sagt, auch Kirchen hätten offen.

Adler, Vögele und Palmers
locken mit ihren Stoffen.
Daneben warten Douglas, BIPA und dm –
nur, warum sind die Kirchen offen?


Josef Graßmugg

Samstag, 10. Dezember 2022

21. Advent 2022
















limerick goes advent

ich frage mich tagein tagaus
wo lebt er denn der nikolaus
bei den elchen
doch bei welchen
oder im einfamilienhaus?

lebt er denn in einer kita
dorten dann als untermieta
als jäger von fall?
gar im hasenstall?
oder bei heinz und roswitha

man sagt auch er lebe wohl
hoch im norden dort am pol!
lebe dorten schlicht
bei polarem licht
verzehre nur bratwurst mit viel kohl!


Tasso J. Martens

20. Advent 2022















Wer bist du

Peters zuhause ist die straße, heute ist weihnachtsmarkt.
Henrys zuhause ist seine warme wohnung, möbel reden nicht.
Henry kennt Peter, spricht ihn an, die brücke ihrer einsamkeit
löst worte aus ihnen. Sie gehen in das lokal ‚‘café heart-rock‘.


Dagmar Weck

19. Advent 2022











Christgeschenk

Mein süßes Liebchen! Hier in Schachtelwänden
gar mannigfalt geformte Süßigkeiten.
Die Früchte sind es heilger Weihnachtszeiten,
gebackne nur, den Kindern auszuspenden!

Dir möchte ich dann mit süßem Redewenden
poetisch Zuckerbrot zum Fest bereiten;
allein was soll's mit solchen Eitelkeiten?
Weg den Versuch, mit Schmeichelei zu blenden!

Doch gibt es noch ein Süßes, das vom Innern
zum Innern spricht, genießbar in der Ferne,
das kann nur bis zu dir hinüber wehen.

Und fühlst du dann ein freundliches Erinnern,
als blinkten froh dir wohlbekannte Sterne,
wirst du die kleinste Gabe nicht verschmähen..


Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832

18. Advent 2022











Weihnachtliche Verheißung
(Psalm 91)

Es ist eine Zuversicht
die uns nicht aufgibt
uns Mut zumutet
sie nicht zu verlieren
in unserer Bedrängnis

inmitten von Düsternis
ist ein Hoffnungsleuchten
unbegreiflich nah
göttliche Verheißung
eines Urvertrauens
das uns geschenkt ist
unfassbar allmächtig
in unserer Zeitlichkeit


Manfred F. Kolb 2020

17. Advent 2022


Die Tasche

„Mutter, ich geh‘ dann mal, Hannes kann ich heute am Heiligen Abend nicht allein lassen, er hat nur mich“, Benedict nimmt seine große Tasche, „ein paar Geschenke bringe ich ihm.“ „Das hast Du im letzten Jahr auch getan, und im Jahr davor auch, Hannes kommt nie zu uns, er könnte ja mal kurz vorbeikommen, morgen vielleicht?“ Ins Herz trifft Benedict der kühle Blick von Mama Sophie.

Er betrachtet die goldenen Kugeln des geschmückten Weihnachtsbaumes und schaltet die Lichterkette ein. Benedict setzt sich auf die Couch. „Warum weinst du denn, mein Sohn?“ Sophie geht zu ihm, streichelt seine Wange. „Ach, Mama, ich freue mich auf die Weihnachtstage.“ Sein Gesicht erzählt etwas anderes. „Stimmt etwas nicht mit dir, Benedict?“ Der Sohn antwortet nicht.

Am späten Nachmittag verlässt Benedict die Wohnung seiner Mutter mit seiner großen Tasche, ihre rote Farbe fällt auf. „Hallo, Robert“, Benedict grüßt seinen älteren Nachbarn.” “Gehst du wieder zu Hannes, Benedict?“ Robert hat eine warmherzige Stimme, „ wenn du wieder hier bist, komm doch zu mir, ich bin heute allein.“

„Wie?“ Benedict zeigt sich völlig überrascht, „vielleicht, Robert.“ Weihnachtslieder hört Benedict im Hausflur, er kommt zurück in sein Wohnhaus. „Deine Mutter ist schon weggegangen, Benedict,“ Robert steht im Hausflur. „Ich weiß, darf ich gleich zu dir kommen, Robert?“ Robert lächelt ihm zu und nickt.

Dunkelrote Kugeln geben Roberts Weihnachtsbaum ein wohliges Zuhause, die strahlende Lichterkette erzählt, der Heilige Abend ist heute, Benedict, du bist willkommen. „Danke für die Einladung, Robert, Mutter ist wie immer bei ihrer Freundin, ohne dich wäre ich auch allein gewesen..“ Ich weiß, schön, dass du gekommen bist, ich bin in den letzten Jahren immer einsam gewesen an diesem Tag.“ „Oh, das wusste ich nicht.“ „Lieber junger Nachbar Benedict, wir kennen uns schon lange, was ist mit deinem Freund Hannes?“„Nichts, Robert, ihn gibt es nicht, meine Tasche war leer, Hannes habe ich erfunden, Mama und andere Nachbarn sollten nicht merken, dass ich keine Freunde habe, auch keine Freundin, nur Mama.“ „Das habe ich gemerkt“, Robert hat eine sensible Seite. Benedict lehnt sich entspannt in der Couch zurück, die neue Wahrheit macht das Leben wieder schön.

Dagmar Weck

16. Advent 2022

Ganz still und hoamlih

Ganz still und hoamlih is’s gschehgn in der Nacht,
sölm hat a Jungfrau oan Buabm zu uns bracht.
In aner Krippm auf Stroh is er glegn,
hat in der Stund schon in Friedn da(r)sehgn.

Hirtn sand kemman von fern und von nah,
’s Büabl zan ehrn, zwegns dem warn sie da.
D’ Engl im Himml habn gsungan ganz leis’
grad von dem Wunder in himmlischer Weis’.

’s Büabl im Kripperl schaut unschuldi’ drein,
fragt mit die Äugerl: „Wird Friedn bald sein?
Sehgts, ih va(r)hoaß enk den Friedn auf Er(d)n,
müassts nur a wengerl varnünftiger wer(d)n!“

Stille, du liabliche, halige Nacht,
d’ hast den Erlöser uns oanstns va(r)macht.
Gib, dass der Friedn, den er uns va(r)kündt,
uns all mit’nander ah iadn Tag findt!


Richard Mösslinger


15. Advent 2022















Generationswechsel

Da Hias is nebm seiner Leni vorm Christbam gstandn. Mitsamt ihre vier Kinda hobms “Stille Nacht” gsungen. Da Hansl, da Luisl, da Sepp und die Mizzerl hobm gaunz große Augn kriagt, wias an Bam und die Packerln gsehn hobm. Do hobm die Eltern gwisst, dass der gaunze Aufwand nit umsunst woar. Es woar nit leicht, den Bam ausn tiaf verschneitn Wold zan huln. Und die Leni hot ouft a Nocht opfern müassn, bis sie füa jeds von die Kinda wos gstrickt hot ghobt. Haubm, Handschuah, Sockn – wos holt a jeds braucht hot. Drausst in da koltn Hüttn hobms den Bam aufputzt; mit Sochn, des eh schon johrelang nemman.
Aber es hot sih auszohlt. Und noch da Bescherung sans olle miteinand ins Tol obi gaungan, zur Christmettn.

***

Hans kann sich noch gut an seine Kindheit erinnern. Es war schön, wenn er mit den Eltern und seinen Geschwistern Alois, Josef und Maria den Heiligen Abend verbrachte. Jetzt steht er mit seiner Frau Helga und den Kindern René und Jaqueline vor dem Christbaum. Wenn er in die Kinderaugen sieht, merkt er, dass die Ausgaben nicht umsonst waren. Den Baum hatte er günstig am Christbaummarkt erstanden. Seine Frau hatte den Schmuck schon damals mit den Weihnachtskeksen gekauft. Die Geschenke, die sich die Kinder gewünscht hatten, hatten sie im Elektrogroßmarkt gefunden. In dezenter Lautstärke erklingt aus dem CD-Player “Stille Nacht”. Zumindest die Eltern wollen sich im Fernsehen die Christmette ansehen.

***

Vielleicht wird René am Heiligen Abend seine Kindheitserinnerungen wachrufen; wie er mit den Eltern und seiner Schwester Jaqueline vor dem Christbaum stand, und seine wunschgemäßen Geschenke in Empfang nahm. Vielleicht wird er selbst einen Baum haben – in Naturfarben, frei von PVC und Weichmachern. Wahrscheinlich wird er den Abend gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin verbringen. Vielleicht werden sie sogar darüber reden, wie es wäre, Kinder zu haben.

***


Josef Graßmugg

14. Advent 2022


















Die Botschoft

Da Erzengl Gabriel hot daumols auf d´ Nocht
da Jungfrau Maria die Botschoft mitbrocht,
du wirst, hot er gsogt und ih tua gwiss net lüagn
recht bold a kloans Kinderl, a Buzale kriagn.

Do frogt die Maria wia soll denn des gschehgn,
ih haun jo koan Maunn, host du des net gsehgn?
do sogt drauf da Engl, hiatzt hör ma guat zua,
vom Herrgott kriagst´s Kindl und des is a Bua.

Do moant hiatzt des Madl und mocht an kloan Knix,
waunn´s da Herrgoutt sou wüll, do hilft olles nix,
nur host´n du gfrogt wos da Bua kriagt für´n Naum?
„Na „Jesus“ natürlih, den gibt’s jo nou kaum.“

Drauf sogt die Maria, daunn solls holt sou sein,
Goutt Votta wird’s wissn, sou denk s´ insgeheim,
drum sogt sie zan Engl, hiatzt fliag wieder hoam
und gleih drauf woar ´s Madl daunn wieder alloan.

Do trifft sie an Josef, hot eahm d´ Hoamlichkeit klogt,
zerst woar er daschrouckn, dou daunn hot er gsogt,
ob heut ghörst za mir, loss dih hiatzt net alloan,
seit daumols is d´ Menschheit gwiss neahma valorn.


Aus dem Buch: Sou wia ma redn
Maria Schneider