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Donnerstag, 2. Dezember 2021

Adventskalender 2021 - 4. Advent


münchner advent I –

von Tasso J. Martens 2013

mein auge windet sich entgegen

dem strom fremder blicke

es reibt sich an einem grienenden ketchupmond

auf mandelbrot in goldlakritz verpackt

an mein ohr schrillen quengelnde kinderärmchen

greifen nach schmalzgebackenen tönen

nur erinnerungstaubheit in meinen gehörgängen

dimmt die qual gegen den strich

eine gruppe verharrender füße in stiefeln

hochhakigen pumps

mit glühweintassen an rotgeränderten wangen

signalisieren dem gehirn meine unpassende nüchternheit

hemmen den freien lauf meiner fröstelnden schritte

zwei frauengesichter in nerz und silberflittriger erwartung im haar

schleppen einen toten baum vom platz

mein männlicher instinkt notiert

das aufreizende lächeln der weißblauen kugeln

schmutzige finger strecken sich meiner hand entgegen

und leere schritte folgen dem einkaufswagen

über den giebeln der stern seiner ferne beraubt

singt fremdes lamettageklingel vom rathaussöller

gebratener duft nach heiligen äpfeln vom rost

überschiemelt die botschaft

 



Mittwoch, 1. Dezember 2021

Adventskalender 2021 - 3. Advent

 

 


 

 

 

 

 

 

kriege, terror, tod -

elend, seuchen, hungersnot :

was tun wir dagegen ?

der weihnachtliche segen –

kann er in uns erstrahlen,

wo menschen leiden qualen ?

 

wie soll uns friede werden

auf dieser heillos‘ erden ?

 

Manfred F. Kolb

 

Montag, 29. November 2021

Adventskalender 2021 - 2. Advent

 


 

Ganz still und hoamlih

von Richard
Mösslinger

 

Ganz still und hoamlih is’s gschehgn in der Nacht,

sölm hat a Jungfrau oan Buabm zu uns bracht.

In aner Krippm auf Stroh is er glegn,

hat in der Stund schon in Friedn da(r)sehgn.

 

Hirtn sand kemman von fern und von nah,

’s Büabl zan ehrn, zwegns dem warn sie da.

D’ Engl im Himml habn gsungan ganz leis’

grad von dem Wunder in himmlischer Weis’.

 

’s Büabl im Kripperl schaut unschuldi’ drein,

fragt mit die Äugerl: „Wird Friedn bald sein?

Sehgts, ih va(r)hoaß enk den Friedn auf Er(d)n,

müassts nur a wengerl varnünftiger wer(d)n!“

 

Stille, du liabliche, halige Nacht,

d’ hast den Erlöser uns oanstns va(r)macht.

Gib, dass der Friedn, den er uns va(r)kündt,

uns all mit’nander ah iadn Tag findt!

 

Sonntag, 28. November 2021

Adventskalender 2021 - 1. Advent (28.11.2021)

 


Warum?

von Josef Graßmugg

Er kommt vom Spaziergang zurück.

Diese Mistelzweige über der Haustür,

die lebenslange Liebe versprechen,

wenn man sich darunter küsst.

Warum?

Sie hielten beide an Traditionen fest.

Wie oft hatten sie sich hier geküsst?

Wie oft waren sie abends durch die Siedlung spaziert?

Erst vor wenigen Tagen.

Die Vorfreude auf das Fest war spürbar, war sichtbar.

All die Weihnachtsbeleuchtungen gaben Zeugnis davon.

Zuhause der Tee,

mit Kletzenbrot,

selbst gebacken.

Diese Abende,

sie waren harmonisch, unendlich harmonisch.

Beide waren bereit,

für das Fest der Liebe.

Dann dieser Tag, diese Nacht.

Am Heimweg von der Weihnachtsfeier.

Seine Frau war mit einem Kollegen unterwegs.

Einem Nachbarn.

Er wohnte nur ein paar Häuser von ihnen entfernt.

Natürlich war Alkohol im Spiel.

Nicht beim Arbeitskollegen.

Aber beim Unfallgegner.

Sie war sofort tot.

Sagte man ihm.

Warum?

Die Sache mit den Mistelzweigen,

sie stimmt.

Sie hatten sich geliebt.

Bis ans Lebensende.

Er öffnet die Tür.

Von der Kirche die Turmbläser,

er hört sie nicht.