Samstag, 11. September 2021

ELKK - Veranstaltungshinweise für Oktober 2021

 

 

 

 

 

 

 

Offener Leseabend

 

Mitglieder des Europa-Literaturkreises Kapfenberg lesen neue Texte. Anschließend besteht die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre darüber zu diskutieren.

Auch die Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltung sind eingeladen, eigene Texte mitzubringen, zu lesen und gemeinsam zu besprechen.

 

Termin:           Donnerstag, 07. Okt. 2021

Beginn:           19:00 Uhr

Ort:                 KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2.Stock

 

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LESEFEST

 

Beschriebene Blätter bereichern den Herbst!

Die Mitglieder des „Europa-Literaturkreis Kapfenberg“ präsentieren ihre zahlreichen aktuellen Bücher. Auch mehrere „neue“ Vereinsmitglieder stellen sich und ihre Werke vor.

Ein Wochenende, voll mit literarischen und kulinarischen Kostproben. Infos dazu gibt es auf www.europa-literaturkreis.net

 

Termin:           Samstag, 16. – Sonntag, 17. Okt. 2021

Ort:                 Spiel!Raum, Friedrich Böhler Straße 9

 

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Literaturcafé

 

Gespräche über literarische Gedenktage, Vorstellung neuer Bücher, u. v. m.

Diesmal besprechen wir u. a. Leben und Werk von John le Carré (90. Geburtstag) und Arthur Schnitzler (90. Todestag).

Natürlich besteht auch für Gäste die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher und Lieblingsautoren vorzustellen.

 

Termin:           Donnerstag, 21. Okt. 2021

Beginn:           19:00 Uhr

Ort:                  KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2. Stock

 

Donnerstag, 9. September 2021

Dienstag, 31. August 2021

Buchvorstellung "Mutter; Chronik eines Abschieds" von Melitta Breznik

 


Luchterhand ISBN 978-3-630-8750-4 

Melitta Breznik, in Kapfenberg geboren, AHS Matura, Medizinstudium in Graz und Innsbruck, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, lebt in der Schweiz.

Seit Jahren lässt Breznik immer wieder mit ungewöhnlichen Büchern aufhorchen. Ungewöhnlich, da immer wieder – und nicht nur zwischen den Zeilen – ihr Beruf durchleuchtet. Sie ist eine begnadete Schriftstellerin, welche anscheinend die Doppelbelastung - oder doch besser Doppelbegabung - anscheinend immer wieder bewältigt.

Nun legt sie einen schmalen Band vor – gerade einmal 160 Seiten – um vom Sterben ihrer Mutter zu berichten. In der Flut von Büchern zu diesem Thema, die nicht nur seit Corona über uns hereinbrechen, ist das eine wohltuende Ausnahme. Natürlich, es geht um das Abschiednehmen, das Loslassen, es geht um die alltäglichen Belastungen, welche auf die pflegende, begleitende Tochter hereinbrechen. Es geht auch um die Frage, was kann, darf, soll eine Tochter, die eben zufällig Ärztin ist, der unendlich leidenden Mutter an Erleichterung verschaffen. Ja, es wird ausgesprochen: An eine Verkürzung des Leidens denken? Das nehme ich als Rezensent vorweg, trotz der Möglichkeiten in der Schweiz, in der die Autorin lebt, wird das nicht vorgenommen. Erleichterungen ja, aber selbst die Verabreichung von Schmerzmitteln wird zur Überlegung „Wo beginnt die aktive Sterbehilfe und wo ist sie passiv, beeinflusst doch die kleinste Handlung den Sterbeprozess, jedes Geben oder Weglassen einer Schmerztablette, einer Infusion oder einer Beruhigungstablette.“ (S 129).

Die Autorin verschweigt auch nicht die psychischen und physischen Belastungen, die sich ergeben, die Belastungen durch „gutgemeinte“ Hilfsangebote, das Beharren der Mutter, möglichst lang selbstbestimmt zu bleiben – ohne es als Sturheit zu bezeichnen, das wäre die herkömmliche, ortsübliche Aussage des Außenstehenden. Doch das kommt im Wortschatz von Breznik nicht vor. Sie hat als erfolgreiche und arrivierte Autorin ein anderes Repertoire  zur Verfügung.

Und sie lässt den Leser teilhaben an der Stille, welche die beiden Frauen in den Nächten umfängt, aber auch an den hellen Tagen, wenn die Mutter, erschöpft von den Mühen der Morgentoilette, wieder einschläft und die Tochter ebenso erschöpft die Stille in sich aufnimmt.

Eine Studentin der Uni Wien fragte den Rezensenten anlässlich eines Telefongespräches, wie autobiografisch die Texte von Melitta Breznik seien. Nun, nach einer Rücksprache mit einer der Helferinnen, die auch im Buch erwähnt wurde, ist dieses Abschiednehmen sehr genau und umfassend beschrieben. Es stellt sich jedoch die Frage, warum will das jemand wissen? Jemand, der die Autorin nicht kennt, womöglich nur vom Buch gehört hat? Was bedeutet für einen Leser, eine Leserin noch dazu eine junge aus der nächsten Generation, die Authentizität eines Textes? Ich habe der Anfragenden nur die Antwort gegeben, dass mit großer Wahrscheinlichkeit die meisten Texte der Schriftsteller irgendwo autobiografisch sind, ob sie damit auch schon authentisch sind, ist eine andere Frage. Beim Buch von Melitta Breznik halte ich persönlich die Frage nach dem „Umfang“ der Autobiografie für unanständig. Die Autorin legt hier einen ganz entscheidenden Abschnitt, zeitlich ja nur ganz kurz, vom 17. Oktober bis zum1. Dezember, ihrer Mutter-Tochter Beziehung dar und lässt den Leser Einblick nehmen in den großen Abschied, der in irgendeiner Form uns allen bevorsteht. Der große Abschied, der ein stilles Hinübergleiten sein kann, ein fürchterliches Aufbäumen, ein theatralisches Abtreten, egal, es bleibt ein ganz persönliches, intimes „Fortreisen für immer“ (Seite 158).

Es wäre schön, diesen Text auch von der Autorin persönlich einmal vorgetragen zu bekommen. Immerhin, ihr letzter öffentlicher Besuch in ihrer Heimatstadt liegt auch schon wieder 7 Jahre zurück. Wäre das eine Anregung, liebe Fr. Dr. Breznik?

 

Hans Bäck

ELKK - Veranstaltungshinweise für September 2021

 


 

 

 

 

Offener Leseabend

 

Mitglieder des Europa-Literaturkreises Kapfenberg lesen neue Texte. Anschließend besteht die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre darüber zu diskutieren.

Auch die Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltung sind eingeladen eigene Texte mitzubringen, zu lesen und gemeinsam zu besprechen.

 

Termin:           Donnerstag, 09. Sept. 2021

Beginn:           19:00 Uhr

Ort:                 Kapfenberg, KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2.Stock

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 Literaturcafé

 

Gespräche über literarische Gedenktage, Vorstellung neuer Bücher, u. v. m.

Diesmal besprechen wir u. a. Leben und Werk von Bertolt Brecht (65. Todestag) und Herman Melville (130. Todestag).

Natürlich besteht auch für Gäste die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher und Lieblingsautoren vorzustellen.

 

Termin:           Donnerstag, 23. Sept. 2021

Beginn:           19:00 Uhr

Ort:                  KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2. Stock

Montag, 21. Juni 2021

Buchverstellung: "Stella und Claude", Roman von Martin Stankowski

 

Roman Verlag tredition Hamburg

ISBN 978-3-347-19442-7

 


So einen herrlich unmodernen Roman gibt es ja heutzutage (fast) nicht mehr! Eine Wohltat nach der „Lektüre“ von div. „Dicht“heitsproblemen von Huf-, Sarg- und anderen Nägeln.

Über viele Seiten verfolgt den Rezensenten eine Erinnerung an lang zurückliegende Lesefreuden: Stifters „Witiko“ und dessen langjährige Annäherung an seine Braut Bertha und das sind ja keine schlechten Assoziationen! Eine Verbindung zu Stifter, nun, der Autor lebt ja zur Hälfte in Oberösterreich und als Schweizer steht es ihm auch zu, ein wenig „anders“ zu schreiben.

Wenn der Protagonist erzählt: „er hielt ihre leichte, gar nicht weiche Hand ein wenig länger in der seinen, sie wehrte nicht…“ dann ist das über weite Strecken der Höhepunkt der Erotik!

            Claude Gutensohn, ein wohlbestallter Hochschullehrer für Kulturgeschichte kommt von einer Dienstreise nach Wien in seinen Wohnort zurück und beschließt noch auf einen Trunk in seine „Stammbeiz“ einzukehren. Der dort versammelte Gartenbauverein begrüßt den späten Gast herzlich, man freut sich über den prominenten und gebildeten Besucher, der immer wieder im Verein mit Vorträgen aufhorchen läßt und daher kein Unbekannter ist. Nach dem formellen Begrüßungstrunk beschließt Prof.Dr. Gutensohn aber sich auf den Heimweg zu machen. Eine junge Frau, die am Rande des langen Tisches sitzt, bietet sich an zu begleiten. Und nun beginnt im Regen, im nächtlichen Nachhause-gehen eine Liebesgeschichte, vergleichbar eben der von Witiko und Bertha, oder Anna Plochl und Erzherzog Johann. Unendlich langsam! Obwohl beim Betreten des Wohnhauses die Beiden feststellen, darin gemeinsam zu wohnen und Claude seine Begleiterin für den nächsten Tag zu Frühstück einlädt, dauert es noch einige Dutzend Seiten, bis…

Stella, genannt Lia hat ein bewegtes Leben hinter sich und die aufkeimende Liebe der Beiden zu einander scheint ihre Vergangenheit zu überdecken. Schüchtern und zurückhaltend wie sie noch sind, schreiben sie sich ihre Vergangenheiten gegenseitig. Das hat immerhin den Vorteil, man kann nicht unterbrochen werden, wie es bei einem Gespräch, einer „Beichte“ zwangsläufig der Fall wäre.  Stella erfährt dabei, in welchen geordneten Verhältnissen Claude aufgewachsen ist, erfährt von seiner kurzen Jugendehe, seinem Studium und vor allem, wie dieses sein weiteres Leben und Denken beeinflussten. Es ist aufschlussreich, dass vomAutor auch ein Band mit Essays vorliegt, in denen er zu Gedenktagen von wichtigen Menschen – vor allem Künstlern – Stellung bezieht. Es bleibt nicht aus und ist aufgrund der Fülle des Materials verständlich, dass nun Claude in seinen Gesprächen – manchmal wäre man versucht von Belehrungen zu sprechen - mit Stella diese Erkenntnisse einfließen lässt. Lieber Martin, da wäre weniger oft mehr gewesen. Da stellt der Autor diese arme gequälte junge Frau auf eine arge Probe, wenn er seine akademischen Erkenntnisse zur Kultur vergangener Zeiten ausbreitet und Beziehungen und Verbindungen zur Gegenwart oder auch zur Vergangenheit von Stella herstellt. Ich vermeide bewußt den Ausdruck konstruiert, aber es ist fast ein Bauplan zu erkennen, wie die unbedarfte Stella, die einen Aushilfsjob in einem Supermarkt bekommt, in die Welt der „Kulturwissenschaft“ eingeführt werden soll. Claude nimmt seine Beziehungen zur Hilfe, um Stella auch zusätzlich eine Beschäftigung in einem Laden einer befreundeten Buchhändlerin zu verschaffen. Seine gute Fee, eine älter Dame, die sich sehr kosmopolitisch gibt und bei seinen berufsbedingten Abwesenheiten seine Wohnung betreut, nimmt sich ebenfalls Stellas an. Anscheinend ist der gesamte Ort bestrebt den liebenswerten, etwas schrulligen Professor Gutensohn zu „versorgen“. Die Chefin des Supermarktes, die auch im Gartenbauverein des Anfangs tätig ist, veranstaltet Gartenfeste, mehr oder weniger zwanglose Zusammenkünfte in der Schrebergartenanlage, eigentlich alles, um gewollt oder ungewollt Stella und Claude zusammen zu bringen. Damit ist das „Hauptpersonal“ des Romans umrissen, die Nebenpersonen, die noch auftauchen spielen keine Rolle, außer dass eine Fabienne krampfhaft versucht den Claude für sich zu gewinnen und dabei ihre akademische Bildung gegenüber der Ladenaushilfskraft ausspielt. Doch, wie es sich für einen unmodernen Roman gehört, Claude meistert auch diese Anfechtungen souverän. Und trotzdem dauert es bis zur Seite – nein, die verrate ich nicht, sonst wird womöglich gleich dort aufgeschlagen – zur ersten Annäherung die fast in einer Katastrophe endet. Begründet durch die Vorgeschichte(n) Stellas, für die Claude volles Verständnis aufbringt und weiter …

Es dauert danach nur mehr knapp dreißig Seiten, bis die Beiden dann endlich (!) auch ihre so ersehnte körperliche Erfüllung finden, auch dabei bleibt der Roman angenehm unmodern!

 

Der Rezensent hat bereits einen Band mit mehreren Novellen des Autors gelesen. Es ist auffallend, wie sich eine Linie durch alle belletristischen Texte Martins zieht: Eine Hilfe zum Selbstaufstehen nach unendlich vielen Abstürzen, es gibt immer eine Hand, die entweder zugreift oder angeboten wird. Und alle, von denen zu lesen war, haben es geschafft. Die heile Schweizer Welt? Oder ein Versuch zu zeigen, was Liebe möglich macht?

Das mögen die Leser des Romans (und der übrigen Werke des Autors) selbst beurteilen.

Modern sind sie nicht, nicht einmal postmodern! Aber lesenswert immer. Auch um ein wenig mehr vom unbekannten Wesen, dem Schweizer kennen zu lernen und deren Spezialausdrücke in der Alltagssprache zu erfahren. Denn was ein „erst vor wenigen Woche hierher zügeln“ bedeutet, geht aus dem Text zwar klar hervor, wäre aber für einen durchschnittlichen österreichischen Leser eher schwer verständlich. Ein „kurzes Znacht“ oder ein „Zmorgen bei mir“ erläutern sich von selbst, aber sie sind nette schweizerische Eigenheiten, die Gott sei Dank vom Hamburger Verlag nicht heraus lektoriert wurden.


Hans Bäck

Hans Bäck