Donnerstag, 10. September 2020

Veranstaltungshinweise des ELKK für den Oktober 2020

 

  6. Internationale LiteraturBiennale

 

Neben internen Projekten von Literaturkreismitgliedern und Gästen gibt es folgende öffentliche Veranstaltungen:

Termin:           Freitag, 02. Okt. 2020

Beginn:           17:00 Uhr

Ort:                 KUlturZentrum, Mürzgasse 3

 

Buchpräsentationen und Lesungen von Mitgliedern des „Europa-Literaturkreis Kapfenberg“,

ab 19:00 Uhr Krimilesung der Gastautorin Klaudia Blasl.

 

Eintritt frei!

 

 

Termin:           Sonntag, 04. Okt. 2020

Beginn:           10:00 Uhr

Ort:                 Koloman Wallisch Platz (bei Schlechtwetter im KUlturZentrum)

 

Präsentation von mitgebrachten und am Vortag in der Schreibwerkstatt entstandenen Texte.

 

Eintritt frei!

 

 

 

Reibeisen - Präsentation

 

Öffentliche Vorstellung der 37. Ausgabe des Kulturmagazins „Reibeisen“.

Anwesende Autorinnen und Autoren lesen Texte aus dem aktuellen Kulturmagazin.

 

Musikalische Gestaltung: Wolfgang Herz, Gitarre und Barbara Huber-Müller, Querflöte

 

 

Termin:           Donnerstag, 8. Okt. 2020

Beginn:           19:00 Uhr

Ort:                 Spiel!Raum, Friedrich Böhler Straße 9

 

Eintritt frei!

 

 

 

Literaturcafé

 

Vorstellung von Iwan Bunin (150. Geburtstag) und Mario Puzo (100. Geburtstag).

 

 

Termin:           Donnerstag, 15. Okt. 2020

Beginn:           19:00 Uhr

Ort:                 Kapfenberg, KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2. Stock

 

Eintritt frei!

 

 

 

Für Rückfragen: Sepp Graßmugg  0664/4238514  josef.grassmugg@aon.at

Freitag, 4. September 2020

Mutter; Chronik eines Abschieds von Melitta Breznik - Buchbesprechung

 

Luchterhand ISBN 978-3-630-8750-4

 

 

Melitta Breznik, in Kapfenberg geboren, AHS Matura, Medizinstudium in Graz und Innsbruck, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, lebt in der Schweiz.

Seit Jahren lässt Breznik immer wieder mit ungewöhnlichen Büchern aufhorchen. Ungewöhnlich, da immer wieder – und nicht nur zwischen den Zeilen – ihr Beruf durchleuchtet. Sie ist eine begnadete Schriftstellerin, welche anscheinend die Doppelbelastung - oder doch besser Doppelbegabung - anscheinend immer wieder bewältigt.

Nun legt sie einen schmalen Band vor – gerade einmal 160 Seiten – um vom Sterben ihrer Mutter zu berichten. In der Flut von Büchern zu diesem Thema, die nicht nur seit Corona über uns hereinbrechen, ist das eine wohltuende Ausnahme. Natürlich, es geht um das Abschiednehmen, das Loslassen, es geht um die alltäglichen Belastungen, welche auf die pflegende, begleitende Tochter hereinbrechen. Es geht auch um die Frage, was kann, darf, soll eine Tochter, die eben zufällig Ärztin ist, der unendlich leidenden Mutter an Erleichterung verschaffen. Ja, es wird ausgesprochen: An eine Verkürzung des Leidens denken? Das nehme ich als Rezensent vorweg, trotz der Möglichkeiten in der Schweiz, in der die Autorin lebt, wird das nicht vorgenommen. Erleichterungen ja, aber selbst die Verabreichung von Schmerzmitteln wird zur Überlegung „Wo beginnt die aktive Sterbehilfe und wo ist sie passiv, beeinflusst doch die kleinste Handlung den Sterbeprozess, jedes Geben oder Weglassen einer Schmerztablette, einer Infusion oder einer Beruhigungstablette.“ (S 129).

Die Autorin verschweigt auch nicht die psychischen und physischen Belastungen, die sich ergeben, die Belastungen durch „gutgemeinte“ Hilfsangebote, das Beharren der Mutter, möglichst lang selbstbestimmt zu bleiben – ohne es als Sturheit zu bezeichnen, das wäre die herkömmliche, ortsübliche Aussage des Außenstehenden. Doch das kommt im Wortschatz von Breznik nicht vor. Sie hat als erfolgreiche und arrivierte Autorin ein anderes Repertoire  zur Verfügung.

Und sie lässt den Leser teilhaben an der Stille, welche die beiden Frauen in den Nächten umfängt, aber auch an den hellen Tagen, wenn die Mutter, erschöpft von den Mühen der Morgentoilette, wieder einschläft und die Tochter ebenso erschöpft die Stille in sich aufnimmt.

Eine Studentin der Uni Wien fragte den Rezensenten anlässlich eines Telefongespräches, wie autobiografisch die Texte von Melitta Breznik seien. Nun, nach einer Rücksprache mit einer der Helferinnen, die auch im Buch erwähnt wurde, ist dieses Abschiednehmen sehr genau und umfassend beschrieben. Es stellt sich jedoch die Frage, warum will das jemand wissen? Jemand, der die Autorin nicht kennt, womöglich nur vom Buch gehört hat? Was bedeutet für einen Leser, eine Leserin noch dazu eine junge aus der nächsten Generation, die Authentizität eines Textes? Ich habe der Anfragenden nur die Antwort gegeben, dass mit großer Wahrscheinlichkeit die meisten Texte der Schriftsteller irgendwo autobiografisch sind, ob sie damit auch schon authentisch sind, ist eine andere Frage. Beim Buch von Melitta Breznik halte ich persönlich die Frage nach dem „Umfang“ der Autobiografie für unanständig. Die Autorin legt hier einen ganz entscheidenden Abschnitt, zeitlich ja nur ganz kurz, vom 17. Oktober bis zum1. Dezember, ihrer Mutter-Tochter Beziehung dar und lässt den Leser Einblick nehmen in den großen Abschied, der in irgendeiner Form uns allen bevorsteht. Der große Abschied, der ein stilles Hinübergleiten sein kann, ein fürchterliches Aufbäumen, ein theatralisches Abtreten, egal, es bleibt ein ganz persönliches, intimes „Fortreisen für immer“ (Seite 158).

Es wäre schön, diesen Text auch von der Autorin persönlich einmal vorgetragen zu bekommen. Immerhin, ihr letzter öffentlicher Besuch in ihrer Heimatstadt liegt auch schon wieder 7 Jahre zurück. Wäre das eine Anregung, liebe Fr. Dr. Breznik?

 

Hans Bäck

Sonntag, 23. August 2020

Literatur biennale 2020 des ELKK

 


 

Mit der großen Bitte an jene, die teilnehmen wollen sich bald bei Sepp Graßmugg anzumelden. Wir müssen die Lokalitäten und Theaterplätze reservieren und das kann in Coronazeiten etwas schwierig sein. Termin für Reservierung schlage ich vor bis spätestens 8.Sept 2020

       Literatur Biennale 2020

             Fr. 2.Okt Burg Oberkapfenberg – Prieselbauer – KUZ

           Kosten: Konsumation, Speisen, Greifvogelschau (12,50€)

Treffpunkt Burg Oberkapfenberg

Fußweg          vom ECE zur Burg                            1,5 km 15 min

Fußweg          von der Burg zum Prieselbauer        2,5 km 45 min

Fußgänger       11h30 vor der Burg

Mitfahrer       12h15 Treffpunkt Burg zum Prieselbauer       10 min

      12h30 Mittagessen ebendort

      14h35 Abfahrt zur Burg

      15h Greifvogelschau an der Burg

      16h45 Abreise ins KUZ per Fuß         15 min

      16h55 Abreise per Mitfahrgelegenheit         5 min

      17h00 KUZ Buchpräsentationen der Mitglieder

      19h00 KUZ Klaudia Blasl Lesung aus ihrem Krimi

      20h30 Buffet und Ausklang

 

  Samstag, 3.Okt Roseggerhof Roseggerweg 154 8044 Graz-Mariatrost

  Kosten: Konsumation, Speisen à la carte, Theaterkarte

 

Abfahrt Kapfenberg nach Graz 9h30

Anreise Mitfahrgelegenheit/oder Tram Linie 1 bis Teichhof + 20 min Fußweg

Ankunft             11h30 

12h   Begrüßung im Plenum + Kaffee

Schreibwerkstätten unter der Leitung von

Dirk-Uwe Becker LYRIK

Klaudia Blasl   PROSA

12h30   SWST Vorbesprechung zu Prosa und Lyrik

13h.    SWST                                    

                    14h30     Pause                               

16h       SWST                                

18h       Pause                               

Abendprogramm       19h30     Theaterbesuch „Queen Lear“(TheaterKaendace)

                              Stück von und mit Christine Teichmann

                              im Volkshaus Lagergasse 98 8020 Graz

Sonntag, 04.10 Kapfenberg

10:00 Uhr    Präsentation neuer Schreibwerkstatt-Texte

Lesungen eigener Texte, die zur Biennale mitgebracht wurden

a) Schönwettervariante:           Gastgarten am Kapfenberger Hauptplatz

             b) Schlechtwettervariante:        KUlturZentrum Kapfenberg

12:00 Uhr    Mittagessen

             Heimreise

Sonntag, 21. Juni 2020

Der Bachmannpreis 2020

Heute, am Sonntag (21.06.2020) hat die Jurydiskussion und Verleihung des Bachmannpreises Digital – der 44. Tage der deutschsprachigen Literatur – stattgefunden. Neben Helga Schubert bekamen Lisa Krusche, Egon Christian Leitner, Laura Freudenthaler und Lydia Haider Preise zugesprochen.

Hierzu ein ein Kommentar von Hans Bäck:

Und es hat doch geklappt!

Corona hat sich bemüht, doch die Literatur war stärker! Die Literatur wird nicht untergehen! Die moderne Technik und ein Kraftakt des ORF mitsamt 3SAT  haben es möglich gemacht, die diesjährigen „Tage der deutschsprachigen Literatur“ gemeinhin als Bachmannpreis bekannt, mitzuerleben. Natürlich die Atmosphäre des ORF Theaters in Klagenfurt fehlte, ebenso der Kaffee im Untergeschoss, die Spaziergänge durch den Park oder durch die Stadt. Aber dafür hatte man zu Hause die Möglichkeit sich am PC oder im TV die Lesungen, Diskussionen anzuhören – fußfrei ohne Rückenschmerzen auf den unbequemen Sesseln oder Bänken. Und ich für meine Person halte den Bequemlichkeitsgewinn gerne fest. Umsomehr ganz wenige Autorinnen/Autoren dabei waren, deren Vortrag zum Einschlafen verführte. Ganz wenige, d. h. es gab sie schon noch, obwohl die Lesequalität auch zugenommen hat. D. h. die Damen und Herren sind nun doch weitgehend in der Lage ihre Texte so vorzutragen, dass diese von ihnen nicht selbst umgebracht werden. Haben wir oft genug erlebt und es gibt heute noch viele Autoren, die man am Liebsten bitten möchte, ‚geh ersuche jemand deinen Text zu lesen, denn du kannst das nicht.’
Doch lassen wir diese allgemeinen Bemerkungen, kommen wir zum „Wettlesen“ an sich.
Die Liste der Kandidaten hatte bereits eine Überraschung parat: Helga Schubert, in den Jahren 1986 – 1990 selbst als Jurorin für die DDR damals tätig, trat nun als 80-jährige an! In der Vorstellung sagte sie, dass sie bereits 1980 eingeladen war, aber damals keine Ausreisegenehmigung der DDR erhielt. Ja, das gab es einmal und ist noch gar nicht so lange her! Es ist ja schön und gut, dass die politischen Nachfolger des damaligen SED-Regimes heute als parlamentarische Partei im Berliner Bundesrat sich für die Freiheit der Kunst stark machen und einsetzen. Für Frau Schubert war diese Episode nur einen Nebensatz wert: Sie freue sich, das all jene, die damals ihre Reise nach Klagenfurt verhinderten, nun bereits tot seien. Schön, das so sagen zu können. Wenig überraschend, für mich zumindest, dass Frau Schubert nach 3 Wahlgängen als Bachmannpreisträgerin feststand. Auch die übrigen Preisträger 2020: Deutschlandfunk-Preis ging an Lisa Krusche (Braunschweig, vorgeschlagen von Klaus Kastberger), der KELAG-Preis ging an den Grazer Egon Christian Leitner (ebenfalls von Kastberger vorgeschlagen), während der 3-SAT Preis an Laura Freudenthaler ging. Lange sah es so aus, dass gerade diese Autorin einer der vorderen Preise erhalten würde, doch gingen die notwendigen Stichwahlen immer zu ihren Ungunsten aus. Eingeladen wurde sie von Brigitte Schwens-Harrant, begeisterte mit ihrem Text ungemein, doch in den Abstimmungen wurden ihr immer wieder andere – eben die bereits Erwähnten – vorgezogen. Doch auch der 3 SAT Preis ist nicht zu verachten und um Klaus Kastberger zu zitieren, Laura Freudenthaler wäre eine Aktie, auf die man wetten könne.
Neue Gesichter in der Jury, neue Wortgefechte, nicht nur braves Abnicken von allen möglichen Textpassagen. So kam es durchaus vor, dass ein Text als eine typische Gewerkschaftsprosa mit Gerechtigkeitspathos eingestuft wurde. Oder, m. E. das Ärgste was einem Text passieren kann, als „Befindlichkeitsprosa“ genannt zu werden. Alles das gab es diesmal. Eine Jury, die auch Konfrontationen nicht scheute. Und ich glaube, das war und ist auch gut so, man darf doch einen schwachen Text auch als solchen bezeichnen.
Ein Wort noch zu den Journalisten: Es fehlte natürlich die Einladung nach Klagenfurt, Corona machte es unmöglich, live dabei zu sein. Die Kulturredakteure sind daher so, wie ich als Otto Normalleser, auf TV und PC angewiesen. Das bedeutet einmal, es gibt keine Dienstreise nach Klagenfurt, keine Gespräche mit allen möglichen bedeutenden Menschen aus dem Literaturbetrieb. Dementsprechend dünn fallen die Berichte in den Tageszeitungen aus! Wer von den Journalisten hat auch die Zeit sich am Donnerstag mehr als 5 Stunden, am Freitag nochmals fast 6 Stunden und am Samstag mehr als 4 Stunden hinzusetzen und konzentriert zuzuhören. Das kann sich nur ein Pensionist wie ich erlauben!
Und ich habe es halt getan und es hat Spaß gemacht! Doch, auch ich würde das Life-Erlebnis im ORF-Theater vorziehen.
Ja, da gibt es noch den Publikumspreis. Dieser wird von den Hörern und Sehern per Internetabstimmung vergeben. Eine an sich gute Idee, was sich dabei aber an Manipulationsmöglichkeiten   ergeben, haben wir noch in guter, bzw. schlechter Erinnerung. Als damals eine Dame, deren Texte absolut keine Chance auf nur ein winziges Preiserl gehabt hätten, ihre Fangemeinde so mobilisierte, dass sie den Publikumspreis überlegen gewann. Lydia Haider erhielt heuer diesen Preis, sie war zwar nicht auf der Shortlist (für mich eher verwunderlich), doch die Internetabstimmung fiel haushoch zu ihren Gunsten aus. Und so schlecht war ihr Text gar nicht, dass er nicht einmal auf die Shortlist gekommen ist.
Also, auch ein zufriedenstimmenden Ergebnis!
Bachmannpreis, nein, die 44.  Tage der Deutschsprachigen Literatur alles bestens? Nun ja, Immerhin, Hubert Winkels ist ab dem kommenden Jahr nicht mehr Jury-Vorsitzender, das ist ja auch etwas, auf das ich persönlich schon einige Jahre gewartet habe. Keine Überraschungen? Mit allen Preisträgern einverstanden? Ja und nein, aber das ist in jedem Jahr noch so gewesen. Vielleicht die Überraschung: Die Jury nahm sich heuer einmal nicht sooo wichtig. Es ist schön dass es die Literatur gibt, diese wird auch nicht untergehen, wenn die Damen und Herren der Jury erkennen, dass sie für diese 3 oder vier Tage nicht der Mittelpunkt der Welt sind, nicht einmal der literarischen, dann ist auch viel gewonnen. Aber das liegt überwiegend an der Auswahl der Juroren.


Hans Bäck