myMorawa
ISBN 978-3-99139-195-1
NEIN!!!
So darf man
keinen Roman schreiben!
Warum eigentlich
nicht? Es ist die Entscheidung jedes Autors was und wie er schreibt!
Also, auch hier,
natürlich darf man einen Roman auch so schreiben!
Und noch dazu,
wenn man damit etwas bezweckt - oder im Schilde führt.
Der Autor beginnt
seinen Roman mit Schilderungen der Fahrt nach Südfrankreich, nach Montpellier,
dem Aufenthalt dort, das Sprachstudium, dem Treffen der Kurskollegen, nein der
Kolleginnen! Und schon sind die ersten Weichen gestellt.
Was soll man als
älterer Herr machen, umgeben von jungen neugierigen Damen im besten Alter (wann
haben diese das eigentlich nicht?) und vor allem einer davon, die sehr
zurückhaltend agiert, aus der ehemaligen DDR stammend, auch den Kurs besucht.
Daher sei dem Autor der Trick entschuldigt, dass er beginnt, wie in einem
Schulaufsatz zu schreiben! Er hat es ja mit mehr oder weniger Schülern zu tun!
Das ändert sich im
Laufe der Geschichte zusehends und damit auch der Schreibstil. Also sei das als
Gestaltungselement gestattet und
JA!!!
So darf man
einen Roman auch schreiben!
Der Held,
eigentlich ist er ein typischer Antiheld, beginnt seine Kommilitionen
kennenzulernen, nimmt sich einer ganz besonders an (weil er erkennt, dass diese
Zuwendung braucht??). Wir lernen so nebenbei französische Lebensart kennen, die
Küche Südfrankreichs wird uns in den höchsten Tönen gelobt, die Schönheiten
Montpelliers vorgeführt. Also kein Grund, mit dem Buch unzufrieden zu sein.
Wenn!!!
da nicht wären,
die Fehler, die den Leser einfach ärgern.
Auf Seite 9
beginnt es schon, da wird eine Zwischenmalzeit geschildert, die aber auch in Frankreich
ganz sicher eine Zwischenmahlzeit ist. Auf der Seite 32 nehmen die Beiden unter
PLANTANNEN platz, um sich im Schatten zu
erholen. Als Leser weiß man natürlich, dass damit ganz einfach Platanen gemeint
sind. Da wird es ärgerlich, denn auf der Seite 2 im Impressum ist ausdrücklich
ein Lektorat angeführt, dass kann daher für etwaige zukünftige Verwender ein
Hinweis sein, dieses nicht in Anspruch zu nehmen. Es gibt eine Reihe weiterer
Fehler, die einfach nicht durchgehen dürften( Seite 52, Seite 55). Doch das ist
eine Angelegenheit des Autors mit dem Dienstleister! Jedenfalls‚ für
Interessierte auch ein Hinweis, bei der Auswahl von Lektoraten sorgfältig
vorzugehen.
Doch nun zum
Roman.
Georg, der ältere
Protagonist und Sophie erleben eine Sommerliebe, die etwas eigenartig gestaltet
ist und auch abläuft, aber trotzdem nicht ohne Folgen bleibt. Geraume Zeit
später trifft die Anne-Sophie mit dem Baby am Arm in der Grazer Wohnung des
Georg ein, wo natürlich sofort die angetraute Ehefrau Astrid aus allen Wolken
fällt, denn davon hatte IHR Georg nichts erzählt. Jedenfalls Astrid ist eine
moderne Frau, die dem neuen Glück nicht im Wege stehen will (so nach der Art,
was kann das Baby dafür, wenn der Mann nicht …) Einvernehmliche Scheidung,
komplizierter Aufbau einer neuen Existenz, Ausbildung für Anne-Sophie am
Bauhaus in Dessau organisieren, alles klappt, die Schwiegereltern in Magdeburg
sind voll Freude, dass die Tochter trotzdem usw. sie helfen über die ärgsten
Probleme hinweg, denn die Lehrerpension des Georg – nun ja, für alles wird
diese nicht reichen. Zum Abschluss des Studiums muss Anne-Sophie zu einem
Praktikum ins Ausland und entscheidet sich, eh klar, für Frankreich. Alles geht
gut, bis sie von einer Freundin zu einer Party überredet wird, die auch wieder
nicht ohne Folgen bleibt.
Zurück in Dessau,
konsolidiert sich die junge Familie, der neu dazugekommene Felix wird
integriert, das erste Kind, das Mädchen Kathryn kommt in die Pubertät, all das
geschieht sehr gedrängt, der Autor nimmt sich hier nicht mehr die Zeit, den
Leser mehr wissen zu lassen. Es kommt nur mehr das Allernotwendigste vor (ob
das so notwendig für die Geschichte ist, soll jeder Leser selbst beurteilen),
und es endet mit einem versöhnlichen Ausklang in einem Ferienlager an einem der
Kärntner Seen, wo sich die karitative Seite des Georg noch einmal zeigt, und er
einen jugendlichen Freund der Kathryn aus dessen miserablen Milieu herausholt
und ihm die heile Welt bietet. Um die Titelfeststellung zu beantworten:
Anne-Sophie hat ihre Angst verloren, das schon, aber der Weg dorthin ist nicht
jedermanns/jederfraus Sache.
Also, um auf das
Eingangs geschriebene NEIN, zurück zu kommen, man kann schon so auch Romane
schreiben, wenn auch viele Autoren das eine oder andere ganz unterschiedlich
angehen würden.
Und noch etwas:
Bei dieser Art von Verlagen, liegt wirklich die gesamte Verantwortung beim
Autor. Wenn der einen Fehler übersieht, in diesem Verlag geschieht nichts,
absolut nicht, um diese zu finden oder gar zu beheben. Das müsste für
Autorenkollegen eine Warnung sein. Und noch eine weitere Erkenntnis, traue
keinem Lektoratsergebnis und sei es noch so teuer!Vorab daher prüfen,
Referenzen einholen, Proben liefern
lassen und Verträge mit Rückversicherung für Fehler abschließen.
Auf nach Südfrankreich,
die Reise unter der Führung von Michel Tapiòn lohnt sich allemal!
Hans Bäck