Mittwoch, 5. Dezember 2018

Adventskalender: 5. Dezember 2018



Vom Schenken und sich beschenken lassen–
eine kleine Weihnachtsgeschichte

Autor unbekannt; redaktionell bearbeiten von Manfred Kolb 

Silvia war traurig. 13 Euro und 40 Cent. Das war ihre ganze Barschaft am Tag vor Heiligen Abend. Wie sollte sie davon ein Geschenk für ihren Mann kaufen?
Gewiss, sie hatten nicht viel Geld, um große Sprünge zu machen, aber ihr Auskommen. Es reichte nur nicht für großzügige  Geschenke zu besonderen Ereignissen und Festen wie Weihnachten.
Mit traurigen Augen vor dem Spiegel stehend, kam ihr plötzlich eine Idee. Es gab in der Familie zwei Dinge, die ihr ganzer Stolz waren: Hinnerks goldene Taschenuhr und ihr wunderschönes, langes wallendes Haar.
„Ich verkaufe meine Haare“, sagte sie sich, „dann habe ich Geld, um meinem Mann ein Weihnachtsgeschenk kaufen zu können“.
Gesagt, getan. Sie fand ein Geschäft, das Haar für Perücken aufkaufte. 155 Euro bekam sie für ihre Haare. Den übrig gebliebenen Flaum auf ihrem Kopf bedeckte sie mit einer wollenen Mütze.
Für das so erworbene Geld kaufte sie für Hinnerk die lang ersehnte Uhrkette für seine goldene Taschenuhr. Endlich würde er dieses Erbstück auch öffentlich zeigen können, denn die vom Vater geerbte Uhr war sein ganzer Stolz. 
Als Hinnerk nach Hause kam und seine Frau mit dem geschorenen Kopf sah, wurde er bleich. Nicht, weil er sie so nicht mehr leiden konnte, sondern wegen seines Weihnachtsgeschenkes für sie. Es waren die vielen kleinen Kämme und Spangen aus echtem Perlmutt, vor denen sie oft im Schaufenster eines Friseurs gestanden hatte. Sie hätten herrlich ausgesehen in ihren langen Haaren.
 Silvia versuchte ihn zu trösten: „meine Haare wachsen ganz schnell wieder nach“.
Und dann erzählte sie ihm, warum ihre Haare so kurz waren und reichte ihm das Päckchen mit der kostbaren Uhrkette. „Ist sie nicht ein Prachtstück, Hinnerk? Ich habe die ganze Stadt abgesucht, bis ich sie gefunden habe. Du kannst Deine Taschenuhr jetzt in der Öffentlichkeit tragen und musst sie nicht mehr im Glasschrank aufbewahren.“
Anstatt diesem Appell Folge zu leisten, ließ sich Hinnerk auf die Couch fallen. „Silvia“, sagte er, „wir sollten unsere Weihnachtsgeschenke wegpacken und eine Weile aufheben. Sie sind zu schön, um sie gleich zu benützen. Ich habe nämlich meine goldene Taschenuhr ins Pfandhaus gebracht, um das Geld für die von Dir immer wieder bewunderten Haarkämme und -spangen zu bekommen.
Jetzt glaube ich, wäre die Zeit, mit unserer vom Großvater geerbten antiken Kaminuhr aus schwarzem Marmor und den mit Kerzen bestückten vergoldeten Beistellern  Weihnachten zu feiern.“
Und so geschah es. Es wurde ein schönes und harmonisches Weihnachtsfest.

Dienstag, 4. Dezember 2018

Adventskalender: 4. Dezember 2018


ADVENT IN WIEN – UND WOHL AUCH ANDERSWO
von Dr. Peter Mitmasser

Jubel, Trubel Heiterkeit,
Ein Lichtermeer: Die Stille Zeit.
Viel Pelze und sehr feines Tuch,
Über allem Weihrauchg’ruch
Viel Ramsch, sehr saftig ausgepreist,
Den Weg zur Weihnachtsgabe weist.
Der dichte Rum- und Punschgestank
Macht uns beinahe magenkrank
Ein Event den andern jagt.
Wohin zuerst? Ich bin verzagt,
Die Qual der Wahl ist’s, die mich plagt
Und meine Frau, die dauernd fragt:
Ja müssen wir dort wirklich hin?
Bedenke, dass ich müde bin!
So gehen wir halt früh nach Haus’
Die Stille Zeit ist für uns aus
Und Ruhe kehrt nun bei uns ein.
Jetzt können wir besinnlich sein.




Montag, 3. Dezember 2018

Adventskalender: 3. Dezember 2018



                                                              

Es ist an der Zeit

von Dagmar Weck

Greta und Friedrich, ein Ehepaar Mitte Fünfzig, betritt den Kleiderladen in der Innenstadt von Bochum.
Wohl gefüllt sind die Regale in dem Laden mit Hosen, Röcken, Pullovern, Jacken, Schuhen,
Blusen, mit warmer Unterwäsche für den Winter, einsortiert nach Größen, nach Kleidung für Damen und Herren, für Kinder, Teenies, alles ist gewaschen und teilweise gereinigt.
Ein kleiner Weihnachtsbaum mit roten und goldenen Kugeln sagt den Menschen, die hierher
kommen: „Fühlt Euch wohl, Ihr seid willkommen.“, kleine Lichterketten am Baum und im Laden verteilt, zeigen Weihnachten an.
Arm sind die Besucher, die Kleidung mitnehmen, alle, besser geht es denen, die Kleidung
bringen.
„Guten Tag, Anne“, begrüßen Greta und Friedrich  die Dame, die den Laden leitet, Anne und das Ehepaar umarmen sich, sie kennen sich schon lange.
„Heute bringt ihr aber viel mit“, Anne ist auch finanziell sparsam ausgerüstet und freut sich, „danke.“
Friedrich stellt drei große Taschen auf einen Tisch und packt die mitgebrachten Sachen aus.
„Anne, kommt  Lucas heute?, wir sind gespannt, was er sagt.

Auch Menschen, die draußen auf der Straße leben, finden den Weg in diesen Ort der Hoffnung.
Friedrich legt eine dicke Jacke beiseite.
Eine Mutter mit Kind kommt herein, auch Peter ist heute wieder da, er sucht sich Jeans aus, zwei Pullis, Unterwäsche, Anne packt ihm alles in eine Tüte.
„Schuhe habe ich noch, danke, nach Weihnachten komme ich wieder.“
Anne und das Ehepaar umarmen ihn: „Peter, bitte bleib heute Nacht nicht auf der Straße“.
Peter sagt dazu nichts und geht hinaus in die Kälte.
Um die Mutter mit Kind kümmert Anne sich dann und führt sie zu den Kindersachen
für Zehnjährige.
Ein bescheiden gekleideter Mann um die vierzig Jahre betritt den Laden.
„Lukas“, Greta und Friedrich gehen auf ihn zu, nehmen ihn in die Arme, er hat Tränen in seinen Augen, er weiß, was heute auf ihn zukommt.
Friedrich legt Lucas die  beiseite gelegt Jacke um die Schultern. Lucas betastet deren weiches Futter aus echtem Lammfell vorsichtig: „Sie ist so warm, so schön, die Jacke passt gut, für mich, wirklich?“
„Ja, sicher, Lucas“, Greta hält noch einen roten Pulli an die Jacke, „ hast du es dir überlegt, Lucas, kommst du gleich mit?.“
 „Hmhm“, Lucas nickt.

Der Laden ist voller geworden, Lucas, Greta und Friedrich nehmen Kleidung für Lucas mit
wünschen Anne und den Menschen, die hier Wärme und Hilfe finden,
ein frohes Weihnachtsfest und gehen in die Stadt hinaus.
Familien sehen sie mit wenigen eingekauften Sachen, Familien mit viel weihnachtlichen
Tüten, gut gekleidete Menschen, schlicht gekleidete und armselig angezogene
Menschen.
An großen Tannanbäumen kommen sie vorbei mit überdimensional geschmückten silbernen
Schleifen und Lichtern.

In einer Nebenstraße der Innenstadt  bleiben Lucas, Greta und Friedrich  vor einem größeren Mietshaus mit einer blauen Haustür stehen. „Hier ist es also?“ Lucas schaut an dem Haus hoch.

„Ja, willkommen, Lucas“, Friedrich schließt die Hautür auf, „hier wohnen wir,
 zehn Wohnungen gibt es in diesem Haus, acht haben wir vermietet.“
Lucas  bleibt erst  im Hausflur stehen, dann folgt er dem Ehepaar in den dritten Stock.
„Sie dir  erst einmal die Wohnung an, Lucas“, Greta schließt sie auf., „ dann kannst du
sagen, ob du hier wohnen willst, du darfst nicht mehr auf der Straße bleiben.“
Die  Wohnung strahlt Wärme aus, sie hat eine kleine Küchenzeile, einen winzigen Flur, ein
Wohn-Schlafzimmer, ein Bad,  renoviert ist sie, ein bunter Weihnachtsteller steht auf dem Wohnzimmertisch, bewacht von einem geschmückten Tannenbäumchen.
„Magst du hier wohnen, Lucas, du braucht keine Miete zu bezahlen“.
„Das habt ihr mir ja schon gesagt, warum darf ich hier umsonst wohnen?“
„Weil wir dich gern haben“.

Lucas schreitet langsam durch das Wohn-Schlafzimmer, schaut auf den kleinen Balkon, berührt die Küchenzeile.
„Ja, danke, hier möchte ich leben, ja, ja.“
Er drückt Gretas und Friedrichs Hand, noch wagt er nicht, sie von sich aus in seine Arme zu nehmen, das Ehepaar tut es, nimmt den neuen Freund in seine Arme, wir wohnen ein Stockwerk über dir, Lucas, gleich zeigen wir dir unsere Wohnung“.
Drei Menschen beschenken sich, Lucas hat verstanden, die Straße ist  kein Raum für ihn, dort würde er sich verlieren,
Greta und Friedrich haben verstanden, was Weihnachten bedeutet., jemandem ein Zuhause zu geben.

Sonntag, 2. Dezember 2018

Adventskalender: 2. Dezember 2018


Ghunzt


Letztes Jahr, am Kramperltag,
Bua, da war was los!
Teifln sand am Hauptplatz gwe(s)n,
kloan, mittl und groß.
Droschn habm s´ die Weiberleit,
kiert habm s´ laut und gjault.
Kaum sand die Teixln donigrennt,
habm s´ schon wieder gmault.
Aft san d´Schwarzn wieder z´ruck
ins Weiberleitgewühl.
Droschn habm s´, ih muaß enk sagn
für mein Begriff vül z´vül.
Oa kloaner Berl, oa Rotsuller,
is glafn kemm´ zu mir
und hat mih zundn mit der Ruat´,
ih sag´s, aber schon wia!
Nach oan kloan Zeitl heart er auf,
nimmt Loarvm a(b) und schreit:
„Hiatz hab halt oanmal ih dih ghunzt,
siachst, wia mih deis gfreit?“

Richard Mösslinger +

Samstag, 1. Dezember 2018

Adventskalender: 1. Dezember 2018


Josef Graßmugg

Konfekt-Konfektion

Die Adventzeit kann oan schön belostn,
weil bis Weihnachtn soll ma jo fostn.
Nur, wia wüllst des mochan?
Weil die Keks san scho´ bochan.

Die Anisbögerl muass ma früah gnua probiern.
Ah bei die Linzeraugn könnt wos passiern.
Die Haferflockenbusserl san zum kostn.
Ah mit die Kokosstangerl muass ma sih´ belostn.

Wegn der Kindertauglichkeit mochst an Rumkugltest,
natürlich rechtzeitig vorm Fest.
Ah mit Nougatstangerl und Schokomakronen
könntest dih sicherheitsholber belohnen.

Husarenkrapferl gibt´s schon und Nusseckn.
Vorm Auftischn muasst wissen, wia´s schmeckn.
Dazua kommt die Windbäckerei.
Maschinenkeks san ah wölche dabei.

Nussspitzbuam und Hausfreind wär´n do.
Die nockatn Keks, die sowieso.
Ah der Lebkuchn is schon zum Essn.
Die Vanillekipferl, net zu vergessn!

So verbringst die Zeit bis Weihnachtn ganz unscheniert.
Und die Konfektionsgrößn – die wird noch obm korrigiert.