Freitag, 6. November 2020

Veröffentlichungen von Mitgliedern des ELKK

 


Liebe Mitglieder,

liebe Freunde des "Europa-Literaturkreis Kapfenberg"!

 

Herbstzeit / Erntezeit / Lesezeit – ein jährlich wiederkehrender Rhythmus. Mit dem Unterschied, dass heuer mehr Zeit für Eigeninitiativen zur Verfügung stand/steht. Hier Beispiele von Büchern unserer Mitglieder, die im Herbst erschienen sind:

 

Ruth Barg

„Aschenflug / Flugasche“ (Lyrik)

 

Peter Veran (Werner Anzenberger)

„Europäische Lese - Einhundertsechzig Gedichte. Und eines. Und ein letztes“ (Lyrik)

 

Christine Teichmann

„Kinderbomber / Moorsoldat“ (Roman)

 

Michel Tapión (Günther Roth)

„Mord Legal: Leben und Streben eines braven Mannes“ (Roman, eBook)

 

Ich nehme an, es gibt noch mehr kürzlich erschienene Bücher. Meldet euch bitte mit den Daten, um sie auf der Homepage zu präsentieren.

Vielleicht habt ihr auf unserer Internetseite schon die Fotos der LiteraturBiennale und Lesung zur Ausstellung „Kapfenberg präsentiert“ gesehen (dort gibt´s auch einen Link zu den Videoclips mit den Lesungen).

Hier der direkte Weg zum youTube-Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCtUjggUMypBIFRt-RZkVRNw/

 

Es war uns auch möglich die in den Herbst verschobenen Reibeisen-Präsentationen in Kapfenberg und Wien (mit den obligaten Einschränkungen) durchzuführen.

 

Adventlesungen werden diesmal wohl ausfallen.

Das sollte uns aber nicht daran hindern, Adventstimmung aufkommen zu lassen. Eine Möglichkeit dazu wird unser diesjähriger Adventkalender bieten!  Reinhard Mermi hat sich wieder bereit erklärt, unseren Blog täglich mit Beiträgen zur Adventzeit zu aktualisieren – und ihr seid eingeladen, euch mit Beiträgen zu beteiligen.

Entweder an mich oder gleich direkt an Reinhard reinhard@mermi-gbr.de

 

 

Herzliche Grüße und bleibt gesund,

Sepp Graßmugg

 

Sollten zwischendurch Fragen auftauchen – bitte melden.

Kontakt: s. Impressum oder josef.grassmugg@aon.at

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Freitag, 2. Oktober 2020

Buchrezension von Hans Bäck: "Sie packen aus - Frauen im Kampf gegen die Mafia"


von Mathilde Schwabeneder
Molden Verlag
ISBN 978-3-222-15056-2

Neun Reportagen von Frauen, die sich gegen die Mafia zur Wehr setzen. Geschrieben von der langjährigen ORF-Korrespondentin in Rom, nach ihrem 2014 erschienenen Buch „die Stunde der Patinnen – Frauen an der Spitze der Mafia Clans“ findet sie nun jene, die sich zur Wehr setzen. Nicht nur zur Wehr setzen, sondern sich ganz bewusst im Kampf gegen das organisierte Verbrechen engagieren. Sei es als Politikerin, als leitende Polizistin, Kronzeugin, Anwältin ...

Und als langjähriger Süditalien-Besucher stürzt sich der Rezensent auf dieses Buch und hört nicht auf zu lesen, bis der an der letzten Seite angelangt ist und dann, ja und dann nochmals beginnt. So unglaublich sind die Schicksale, die Arbeiten, die Leistungen jener neun – eigentlich sind es zehn – Frauen, welche die Autorin aufgestöbert hatte und die bereit waren in Interviews alles zu riskieren. Es ist unglaublich, wie anscheinend machtlos ein Staat gegenüber der Gewalt der Clans ist. Wie noch immer die verklärte Romantik den archaischen Ehrenkodex der „Familien“ das Denken und die Betrachtung von Außen beherrscht. Nebenbei erwähnt die Autorin, dass es selbst in „unregierbaren“ Städten wie Palermo oder Neapel immer wieder Ansätze gibt, die Hoffnungen aufkeimen lassen. Wenn einzelne Bürgermeister gewählt werden und Maßnahmen ergreifen, die zur Verbesserung der Lebenssituation führen, so sind dies Einzelerscheinungen und „es“ wird dafür gesorgt, dass derartige Experimente nicht von Dauer sind und mit Wahlen möglichst rasch wieder zu den ursprünglichen Zuständen zurückgekehrt wird. Da wird das gesamte Dilemma dieses Staates sichtbar! Und wie die Menschen sich damit abfinden, gottgewollt hinnehmen, dass die bereits die Kinder auf der Straße in die Tätigkeiten eingespannt werden. „Wir bräuchten mehr Ganztagsschulen“ wird am Beispiel Neapels von der Vize-Polizeidirektorin gesagt. Wäre es wirklich so einfach? Was ist mit der systematischen Unterwanderung wichtiger Wirtschaftszweige, die sich schon längst nicht mehr auf Italien beschränkt, sondern unverrückbar in Deutschland, der Schweiz, in Österreich Fuß gefasst hat? Man fragt sich, wie weit die europäische Zusammenarbeit geht oder vielmehr, wie wenig weit! In Italien ist es ermöglicht worden, das Vermögen von verurteilten Mafiabossen einzuziehen, so wurden allein von der Comorra rd. 7 Milliarden Euro an Vermögen konfisziert. Das erscheint ein beachtlicher Betrag zu sein, doch ist der Zeithorizont zu beachten: Das erfolgte innerhalb von 28 Jahren (zwischen 1992 und 2019), damit relativiert sich der Erfolg doch nicht so einschneidend, denn es sind im Jahresschnitt 263 Mio. Euro und das ist doch etwas mehr als ein „Abschreibeposten“.

Und trotzdem, sollte das Buch Mut machen, auch für den mitteleuropäischen Leser, denn es werden immer mehr Menschen, die NEIN sagen, sich dagegen stellen und immer mehr, die sich aktiv zur Weht setzen. „Aufgeben? Niemals! Rief eine der Betroffenen.

Unvergesslich wird dem Rezensenten ein Erlebnis bleiben, als bei einem plötzlichen Wolkenbruch auf der SS 12 zwischen Leifers und Bozen die Sexarbeiterinnen aus Nigeria in ihrer spärlichen Bekleidung am Straßenrand ausharrten. Das letzte Kapitel des Buches schildert eindringlich die Grausamkeit mit der Frauen aus Afrika ausgebeutet werden. Und eine, die es geschafft hatte, sagt uns allen „Viele Leute glauben, wir sind alle Nutten. Aber nicht alle Nigerianerinnen kommen hierher, um mit Sex auf der Straße ihr Geld zu verdienen.“ Und noch eines liegt der betroffenen Frau besonders am Herzen: „Die jungen Frauen in Nigeria müssen besser informiert werden über das, was sie in Europa tatsächlich erwartet.“

Das wäre der Schlüssel für viele Probleme – auch mit der illegalen Immigration! Bleib zu Hause, das was dich hier erwartet ist um Nichts besser.

Ein Buch, das unendlich traurig machte beim Lesen, das aber auch wieder Hoffnung gibt, wenn es tatsächlich die Frauen sind, welche der Mafia den Kampf ansagen. Oft genug war es schon so in der Geschichte, dass „etwas weiterging“ wenn Frauen zugriffen und nicht auf die Ohnmacht und das Nichtstun der Männer warteten. Auch scheint es in der italienischen Öffentlichkeit ein Umdenken zu geben, nicht nur Einzelne haben genug von der Tyrannei der Clans, es wird auch politisch opportun, endlich wirksam vorzugehen. Darf man Hoffnung haben? Dem wunderbaren Land und den großartigen Frauen und Männern Italiens wäre es zu wünschen!

Hans Bäck
Kapfenberg


 


Donnerstag, 10. September 2020

Veranstaltungshinweise des ELKK für den Oktober 2020

 

  6. Internationale LiteraturBiennale

Neben internen Projekten von Literaturkreismitgliedern und Gästen gibt es folgende öffentliche Veranstaltungen:

Termin:           Freitag, 02. Okt. 2020

Beginn:           17:00 Uhr

Ort:                 KUlturZentrum, Mürzgasse 3

 

Buchpräsentationen und Lesungen von Mitgliedern des „Europa-Literaturkreis Kapfenberg“,

ab 19:00 Uhr Krimilesung der Gastautorin Klaudia Blasl.

Eintritt frei!

 

Termin:           Sonntag, 04. Okt. 2020

Beginn:           10:00 Uhr

Ort:                 Koloman Wallisch Platz (bei Schlechtwetter im KUlturZentrum)

 

Präsentation von mitgebrachten und am Vortag in der Schreibwerkstatt entstandenen Texte.

 

Eintritt frei!

 

Reibeisen - Präsentation

Öffentliche Vorstellung der 37. Ausgabe des Kulturmagazins „Reibeisen“.

Anwesende Autorinnen und Autoren lesen Texte aus dem aktuellen Kulturmagazin.

 Musikalische Gestaltung: Wolfgang Herz, Gitarre und Barbara Huber-Müller, Querflöte

 

Termin:           Donnerstag, 8. Okt. 2020

Beginn:           19:00 Uhr

Ort:                 Spiel!Raum, Friedrich Böhler Straße 9

 

Eintritt frei!

 

Aus dem aktuellen "Reibeisen" lesen:

Regina Appel, Sepp Graßmugg, Simon Kontlas, Peter Mitmasser, Kaia Rose

Termin:          Mittwoch, 14. Okt. 2020

Beginn:         19:00 Uhr 

Ort:               Österreichische Gesellschaft für Literatur, Wien I, Herrengasse 5

 

Literaturcafé

Vorstellung von Iwan Bunin (150. Geburtstag) und Mario Puzo (100. Geburtstag).

Termin:           Donnerstag, 15. Okt. 2020

Beginn:           19:00 Uhr

Ort:                 Kapfenberg, KUlturZentrum, Mürzgasse 3 / 2. Stock

 

Eintritt frei!

 

 

 

Für Rückfragen: Sepp Graßmugg  0664/4238514  josef.grassmugg@aon.at

Freitag, 4. September 2020

Mutter; Chronik eines Abschieds von Melitta Breznik - Buchbesprechung

 

Luchterhand ISBN 978-3-630-8750-4

 

 

Melitta Breznik, in Kapfenberg geboren, AHS Matura, Medizinstudium in Graz und Innsbruck, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, lebt in der Schweiz.

Seit Jahren lässt Breznik immer wieder mit ungewöhnlichen Büchern aufhorchen. Ungewöhnlich, da immer wieder – und nicht nur zwischen den Zeilen – ihr Beruf durchleuchtet. Sie ist eine begnadete Schriftstellerin, welche anscheinend die Doppelbelastung - oder doch besser Doppelbegabung - anscheinend immer wieder bewältigt.

Nun legt sie einen schmalen Band vor – gerade einmal 160 Seiten – um vom Sterben ihrer Mutter zu berichten. In der Flut von Büchern zu diesem Thema, die nicht nur seit Corona über uns hereinbrechen, ist das eine wohltuende Ausnahme. Natürlich, es geht um das Abschiednehmen, das Loslassen, es geht um die alltäglichen Belastungen, welche auf die pflegende, begleitende Tochter hereinbrechen. Es geht auch um die Frage, was kann, darf, soll eine Tochter, die eben zufällig Ärztin ist, der unendlich leidenden Mutter an Erleichterung verschaffen. Ja, es wird ausgesprochen: An eine Verkürzung des Leidens denken? Das nehme ich als Rezensent vorweg, trotz der Möglichkeiten in der Schweiz, in der die Autorin lebt, wird das nicht vorgenommen. Erleichterungen ja, aber selbst die Verabreichung von Schmerzmitteln wird zur Überlegung „Wo beginnt die aktive Sterbehilfe und wo ist sie passiv, beeinflusst doch die kleinste Handlung den Sterbeprozess, jedes Geben oder Weglassen einer Schmerztablette, einer Infusion oder einer Beruhigungstablette.“ (S 129).

Die Autorin verschweigt auch nicht die psychischen und physischen Belastungen, die sich ergeben, die Belastungen durch „gutgemeinte“ Hilfsangebote, das Beharren der Mutter, möglichst lang selbstbestimmt zu bleiben – ohne es als Sturheit zu bezeichnen, das wäre die herkömmliche, ortsübliche Aussage des Außenstehenden. Doch das kommt im Wortschatz von Breznik nicht vor. Sie hat als erfolgreiche und arrivierte Autorin ein anderes Repertoire  zur Verfügung.

Und sie lässt den Leser teilhaben an der Stille, welche die beiden Frauen in den Nächten umfängt, aber auch an den hellen Tagen, wenn die Mutter, erschöpft von den Mühen der Morgentoilette, wieder einschläft und die Tochter ebenso erschöpft die Stille in sich aufnimmt.

Eine Studentin der Uni Wien fragte den Rezensenten anlässlich eines Telefongespräches, wie autobiografisch die Texte von Melitta Breznik seien. Nun, nach einer Rücksprache mit einer der Helferinnen, die auch im Buch erwähnt wurde, ist dieses Abschiednehmen sehr genau und umfassend beschrieben. Es stellt sich jedoch die Frage, warum will das jemand wissen? Jemand, der die Autorin nicht kennt, womöglich nur vom Buch gehört hat? Was bedeutet für einen Leser, eine Leserin noch dazu eine junge aus der nächsten Generation, die Authentizität eines Textes? Ich habe der Anfragenden nur die Antwort gegeben, dass mit großer Wahrscheinlichkeit die meisten Texte der Schriftsteller irgendwo autobiografisch sind, ob sie damit auch schon authentisch sind, ist eine andere Frage. Beim Buch von Melitta Breznik halte ich persönlich die Frage nach dem „Umfang“ der Autobiografie für unanständig. Die Autorin legt hier einen ganz entscheidenden Abschnitt, zeitlich ja nur ganz kurz, vom 17. Oktober bis zum1. Dezember, ihrer Mutter-Tochter Beziehung dar und lässt den Leser Einblick nehmen in den großen Abschied, der in irgendeiner Form uns allen bevorsteht. Der große Abschied, der ein stilles Hinübergleiten sein kann, ein fürchterliches Aufbäumen, ein theatralisches Abtreten, egal, es bleibt ein ganz persönliches, intimes „Fortreisen für immer“ (Seite 158).

Es wäre schön, diesen Text auch von der Autorin persönlich einmal vorgetragen zu bekommen. Immerhin, ihr letzter öffentlicher Besuch in ihrer Heimatstadt liegt auch schon wieder 7 Jahre zurück. Wäre das eine Anregung, liebe Fr. Dr. Breznik?

 

Hans Bäck