Samstag, 19. Dezember 2020

Adventskalender: 19.12.2020 - 21. Advent


 

 

 

 

 

 

Ein weihnachtliches Pamphlet

 von Reinhard Lackinger

      “In Kriegszeiten waren die Weihnachten besonders schön”, schrieb einst ein bekannter Österreichischer Buchautor, wenn ich mich an jenen Text recht erinnere.
     Daran dachte ich, als ich unlängst, im Internet surfend, den schwarzweissen Spielfilm “Das Fliegende Klassenzimmer” fand. Erich Kästner verstand es, die Not und die Demütigungen zu beschreiben, die einfache Menschen während der schlechten Zeiten erleiden, ertragen und erdulden mussten.
Not litt bekanntlich auch das hochheilige Paar. Der Hl. Josef und die hochschwangere Jungfrau Maria. Ausweglos, abgewiesen und obdachlos in Bethlehem.
     Siebzig Jahre nach dem letzten Weltkrieg scheinen wir an einem kuriosen Entzugssyndrom allgemeiner Bedürfnisse zu leiden. Die Zeit, als das Licht einer einzigen Kerze die Dunkelheit bezwang und uns die Stille Nacht rings herum anheimelnd vorkommen liess ist längst vorbei. Heute kann sich die Milchstrasse über die Menschheit ergiessen, ohne dass es uns auffällt. Wir beachten sie nicht mehr. Die Led-Lampen der Weihnachtsdekoration übertrumpfen längst den Schein des himmlischen Firmaments.
     Der Verhaltensforscher Prof. Dr. Shmuel Gefiltfish y Mazzes behauptet, es habe ein jeder von uns seinen eigenen und persönlichen Stern von Bethlehem. Wohin dieser uns führt, bleibt lange ungewiss, sagt er. Womöglich an die Grenzen menschlicher Kräfte. Andere Gelehrte meinen, es solle jeder täglich etwas Neues versuchen. Aber bitte nur keinen Hunger und auch keine ausweglosen Abenteuer. Dennoch müssen immer wieder Bergungskommandos ausrücken, um Extremsportler so heil wie möglich zurück auf die Ofenbank zu holen. Oder es strapazieren junge Ausreisser internationale Diplomaten, damit diese sie irgendwo am Ende der Welt in ein Flugzeug setzen und nach Hause verfrachten. Es soll jeder Weihnachten im Kreise seiner Lieben verbringen dürfen.
     Die Krippenfiguren, die uns die Kindheit hindurch erhalten blieben, gehörten gewissermassen zur Familie. Nicht nur die Heilige Familie, die Engel, Hirten, die Heiligen Drei Könige und sonstige Schaulustige, sondern auch die Tiere. Ochs und Esel im Stall, die Schafe.bei den Hirten und die Pferde und Elefanten der Weisen aus dem Morgenland.
Brave Vierbeiner, von Gott geschaffen, um dem Menschen zu dienen.
     Während mir nichts mehr zum Thema Advent und Weihnachten einfällt, zeigt mir das Facebook wieder so ein Video mit liebkosenden Pets. Es turtelt da nicht etwa Katze mit Katze und Hund mit Hund, sondern Löwe mit Gämse (1), Reiher mit Goldfisch und Katze mit Maus!
Ich verstehe die Welt nicht mehr! Wie können natürliche Feinde miteinander spielen? Wie ist es möglich dass Raubtiere mit ihren Opfern schmusen, anstatt diese ratzeputz aufzufressen?
Liegt es vieleicht daran, dass sie ihren Magen stets voll mit nahrhaftem Futter aus bunt schillernden Verpackungen haben? Verzichten Karnivore auf die Jagd, sobald sie satt sind? Trifft das auch auf den Menschen zu?
     Am bevorstehenden Heiligen Abend werden weltweit zwei bis drei Milliarden Menschen hungern und über den Hunger ihrer Kinder trauern. Oder sind es mittlerweile sogar vier der insgesamt sieben Milliarden Erdbewohner, die extreme Not leiden?
     Wie viele verzweifelte Individuen sind gerade unterwegs nach Lampedusa, oder versuchen sonst irgendwo den Futtertrog der reichen Industrieländer zu errreichen?

 Salvador 15.12.214
(1) Mit der durch die alberne Rechtschreibreform verschlechtbesserte GÄMSE habe ich mir nur einen Jux erlaubt! hehe

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