L u c a
Friedrich verlässt den Aufzug seines großen Wohnhauses. Er geht auf seine
Wohnung zu, vor der Wohnung seiner Nachbarin Judith steht ein kleiner
Weihnachtsbaum.
„Guten Abend, Friedrich“, Judith spricht durch ihre Atemschutzmaske
und bleibt stehen. „Judith, deinen Weihnachtsbaum hast du wieder liebevoll
geschmückt, die roten Kugeln strahlen Freude aus.“ Judith
lächelt. „Luca, das ist Friedrich, unser Nachbar“, sie spricht langsam zu ihrem Mann
Luca.“ Er sitzt im Rollstuhl und schaut an Friedrich vorbei.
„Judith, bleib hier“, sagt er. „Es wird schlimmer mit seiner Demenz“, flüstert
Sie, unsere Freunde haben wir nicht mehr, ich habe Angst, sie besuchen uns nicht mehr,
sie rufen auch nicht an, Friedrich.“ „Ihr seid ganz allein, Judith?“
„Ja, wo ist Hanne?“ „Meine Freundin? Sie kommt jetzt in der Adventszeit kaum noch, sie geht lieber in die Stadt, da sind Menschen, sagt sie, bei mir ist je niemand, meint sie,
über Weihnachten fährt sie zu ihren Eltern und zu ihren zwei Geschwistern.“
„Judith, geh nicht weg“, ruft Luca.
„Kann ich etwas für dich und Luca tun, Judith?“
Friedrichs weiche stimme macht den Flur zu einem Weihnachtszimmer.
„Ja“, komm doch gleich zu uns rüber. Ich hab Kuchen gebacken.“
„Gern, ich bin in fünf Minuten da.“ Friedrich geht in seine Wohnung, packt
Zwei große Schoko-Weihnachtsmänner ein. Er ruft Hanne an.
„Was gibt es, Friedrich, ich bin in der Stadt.“ „Viel ist geschehen, Hanne,
in der nächsten Zeit bin ich nicht zu erreichen.“
Friedrich beendet das Gespräch und geht zu seinen Nachbarn, Judith öffnet ihm.
„Geh nicht weg, Judith“, Luca ruft.
„Nein, niemals“, eine sanfte Judith antwortet.
Dagmar Weck
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